Samstag, 14. November 2009

28.10.2009, HRP - Col de Coume d'Agnel über Pic du Carlit bis Barrage des Bouillouses

Am Vorabend habe ich noch gehadert. Wie stelle ich die heutige Etappe an? Es gab für diesen Tag zwei Möglichkeiten: Plan A) Besteigung des Pic du Carlit, mit 2921m über n.N. der höchste Punkt meiner gesamten Tour. Oder Plan B) Umwandern des Pic du Carlit über das Portella de la Grava über den GR10.

Am Vorabend bin ich zu keiner Entscheidung gekommen und hatte beschlossen abzuwarten wie ich mich morgens fühle.

Und ich fühlte mich gut! Die Nacht war sehr kalt, im Schlafsack habe ich davon nicht viel mitbekommen aber das Eis auf dem kleinen See war Aussagekräftig genug.

Interessanterweise war der Wasserspiegel in dem kleinen See um gut 20-30cm gefallen. Vermutlich da in der Nacht kein Schmelzwasser mehr von den Bergen kam. Nach dem Frühstück ging es los über den nahgelegenen Pass "Col de Coume d'Agnel".


Blick vom Lager auf den Col de Coume d'Agnel


Der Aufstieg war kurz aber schön, da der weg wieder einmal zwischen großen Felsblöcken hindurchlief.


GR-Wegmarken beim Aufstieg


Nach ein paar Minuten war der Pass erreicht. Ein leichter Pfad führte hinab zum einem kleinen See "Estany de Lanoset". Von dort ging es direkt weiter hinab zum großen Stausee "Estany de Lanoux".

Estany de Lanoux


Noch einmal Estany de Lanoux


Hier war dann auch der Punkt der Entscheidung. Ein Pfad führte direkt Richtung Osten, hinauf zum Portella de la Grava und damit um das Carlit-Massiv herum. Der Pfad der direkt zum Aufstieg des Pic du Carlit führt zweigt hier direkt nach Süden ab.

Die Entscheidung war schnell und ohne Stop getroffen, ich ging nach Süden. Der Pfad läuft eine ganze Zeit am See entlang.


Etwas grün auf dem Weg zur Westseite des Pic du Carlit


Der Pfad steigt schließlich an und nähert sich dem Berg.


Blick zurück auf das Etang de Lanoux


Dabei steigt der Pfad bis auf ca 2450m bis zum kleinen See "Estany dels Forcats" an, direkt am Aufstieg. Hier habe ich uneingeschränkte Sicht auf den einschüchternen Aufstieg.


Aufstieg auf der Westseite des Pic du Carlit


Der Pfad führt direkt 500 Höhenmeter den Hang hinauf über Schutt und loses Geröll. Auf dem Bild oben erkennt man in der Bildmitte ein paar Pfad-Stücke am unteren Teil des Hanges. Nach einigen Höhenmetern muss man allerdings selbst einen Pfad suchen. Der Aufstieg folgt der Bergseite und knickt dann oben etwas nach rechts wo der Aufstieg dann leichter wird.


Der Blick hinauf - direkt am Hang.


Bei dem ganzen losen Geröll am steilen Hang wünscht man sich einen Helm. Zum Glück kam es aber zu keinerlei Felsschlag.

Im Anfangsbereich des Aufstieges ist das Geröll noch kein Problem, nichts rutscht, nichts bewegt sich, alles gut verkeilt und der Pfad ist auch noch nicht außergewöhnlich steil.


Der Blick hinab nach den ersten Minuten


Das nächste Stück wird sehr steil und der Hang ist voller recht feinem Geröll. Es geht zwar vorran, aber oft nach dem Prinzip "Two steps forward and one step back".

Mittlerweile bin ich auch nicht mehr alleine, von oben kommen mir zwei ältere Franzosen entgegen die Mühelos absteigen. Sie warnen mich vor dem Abstieg auf der anderen Seite, es soll viel Eis dort sein und noch deutlich steiler als hier.


Nach dem anfänglichen Stück wird es nochmals steiler


Von hinten kommt ein Britisches Pärchen ohne Rucksäcke, das ich vorher schonmal hinter mir bemerkt habe. Ich mache eine Pause und lasse mich überholen. Und nutze die gute Gelegenheit für den Blick über die Landschaft.


Blick über das Estany de Fourat und das Estany Lanoux


Und den Blick direkt hinab.


Der Blick hinab - dort bin ich hochgekommen.


Und dann waren die Briten auch an mir vorbei



Noch etwas Abstand gelassen, dann hinterher.



Der steilste Abschnitt ist damit geschafft, der Aufstieg flacht jetzt etwas ab und wird leichter. Nochmal der Blick zurück über die Landschaft - immerhin wird jeder Höhenmeter mit besserer Aussicht belohnt!


Nochmals der Blick zurück


Also auf zum finalen Stück des Aufstiegs!


Da rauf...


An dem Sattel angekommen, geht es dann rechts noch einmal 15m leicht hoch bis auf den Gipfel des Pic du Carlit. Von hier oben ist die Aussicht perfekt :-)


Blick die andere Seite des Sattels hinab


Am Sattel habe ich meinen Rucksack abgestellt und bin dann die letzten Höhenmeter zum Gipfelkreuz hinaufgekraxelt. Die beiden Briten machten gerade schon Pause. Wir gratulierten uns zu unserer Leistung ^^.


Das (demolierte) Gipfelkreuz mit der Katalanischen Flagge


Ein paar Eindrücke von Oben:


Blick über das Tal. Der Südspitze des großen Sees ist mein Tagesziel - Barrage des Bouillouses



Die Seite von der ich kam: Etang de Lanoux



Blick über das Ziel des morgigen Tags. Das nächste Gebirgsmassiv hinter Eyne



Nach einer erholsamen Pause beschließe ich mich an den Abstieg zu machen. Das erste Stück ist noch recht Einfach und führt über Geröll, ähnlich dem Aufstieg. Doch dann beginnen die Probleme: Steinhart vereister Schnee.

Die erste schwierige Stelle ist direkt hinter einer Kletterstelle, der Weg führt seitlich am Berg entlang und verliert dabei leicht an höhe. Dabei sing ca 20m Eis zu überwinden. Dummerweise muss ich erst meine Eisausrüstung bereit machen, das habe ich versäumt schon oben in Ruhe am Sattel zu machen.

Langsam und mit hoher Konzentration geht es dann über die bereits bestehenden Fußspuren im vereisten Schnee. Etwas mulmig ist mir schon, aber das Stück ist dann überwunden.

Es folgen noch drei weitere vereiste Stellen, sowie einzelne leichte Kletterstellen. Schließlich ist das schwere Stück aber überwunden und der Pfad wird deutlich leichter.


Der Blick auf der Pic du Carlit - von der Ostseite






Nochmal der Blick über die vielen kleinen Seen vor dem Lac des Bouillouses


Hier wird der Pfad deutlich einfacher. Es sind noch einige leichte Schneefelder da - gut zum üben mit der Eisausrüstung Pickel und Steigeisen.


Schnee :-)


Und eine gute Gegend für eine Pause :-)


Trekkingstöcke und Eispickel


Von nun an Folge ich nur noch gelben Wegmarkierungen über einen leichten Pfad. Entspannend nach dem spannenden Auf- und Abstieg. An einer letzten vereisten Stelle treffe ich auf ein Französisches Ehepaar das sich ohne Ausrüstung beim Überqueren versucht aber dann umdreht, schon schnell hatte ich die beiden eingeholt und sie sprachen fließend Englisch. Wir unterhalten uns eine halbe Stunde über die Umgebung, Gott und die Welt und dann mache ich mich wieder des Weges.

Die Vegetation wird wieder Grüner und man sieht mehr Menschen in der Gegend.


Der lange Weg zum Lac des Bouillouses


Gegen 16:30 erreiche ich schließlich den kleinen Ort auf der anderen Seite des Staudamms.


Barrage de Bouillouses


Es gibt eine Gite d'Etape, ein geschlossenes Refuge de Bouillouses und das war es eigentlich. Eigentlich wollte ich in der Gite übernachten, aber leider war diese Ausgebucht. Also beschränkte ich mich auf eine kalte Cola vor Ort.

Glücklicherweise verfügte auch dieses Refuge über Winterräume. Diese waren offen und sogar sehr komfortabel, es lagen Matrazen auf den Bettrosten, auf denen ich meinen Schlafsack ausbreiten konnte. Frisches Wasser konnte ich mir in der Gite holen und somit war der Tag gerettet. Noch kurz nach Frühstück erkundigt und habe dann mein Abendessen vorbereitet. Eine sehr erholsame Nacht :-).

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