Sonntag, 22. November 2009

30.10.2009, HRP - Berge hinter Eyne (Orri de Baix) über Col de Noufonts bis Refugi D'Ulldeter

Kurzabriss:
Aus dem Tal hinter Eyne hinauf bis zum Col de Eyne und dann immer der Französisch/Spanischen-Grenze entlang über die verschiedenen Gipfel und dann wieder hinab bis zum Refugi D'Ulldeter.

Heute sollte einer der anstrengendsten Tage bevorstehen. In Höhenmetern gemessen lag heute der höchste Aufstieg und tiefste Abstieg bevor.

Die Nacht war ruhig und ich habe gut geschlafen. Nach dem Frühstück habe ich meine Eisausrüstung Griffbereit gepackt. Der Eispickel kam an die Seite des Rucksacks und die Steigeisen oben auf den Rucksack und wurden vom Rucksackdeckel eingeklemmt. Nach dem Zusammenpacken des Zeltes war ich um 08:00 Uhr bereits unterwegs hinauf zum Col de Eyne, den kleinen Fluss zu meiner Linken.


Blick hinauf zum Coll de Eyne in der Ferne.

Der Aufstieg hoch zum Coll de Eyne ist anfangs sehr einfach, der Pfad ist sehr gut ausgetreten und einfach zu laufen. Zwar überwindet der Pfad reichlich Höhenmeter aber wird noch nicht viel schwerer.


Weiter oben am Pfad

Der Schnee wurde dichter und einige hundert Meter vor dem Coll de Eyne lag eine geschlossene Schneedecke. Der Schnee war komplett vereist und dementsprechend steinhart. Keine Chance mit den Stiefeln auch nur eine Kerbe ins Eis zu treten. Aber für den Zweck habe ich ja die Steigeisen dabei. Leider war hier auch der Moment bei dem ich vergaß die Kamera umzustellen, daher sind die folgenden Bilde oft etwas Mau.

Steigeisen angelegt, Eispickel in der bergseitigen Hand und weiter hinauf.


Lowa Tibet GTX mit Grivel Air Tech Steigeisen (New Classic Bindung)

Mit den Steigeisen ist der Aufstieg einfach, nach gut 20 Minuten bin ich oben am Coll de Eyne. Schöne Gelegenheit für eine kurze Pause und einem Blick über die Landschaft. Dann gehts weiter Richtung Pic de Noufonts, dem höchsten Punkt der heutigen Tour mit 2861m.



Eyne, Nuria? Nö - Pic du Noufonts :)


Unterwegs treffe ich zwei "Trailrunner" die in Richtung Nuria "joggen". Auch nicht schlecht :-).


Der Pfad immer dem Bergrücken entlang, der Grenzlinie zwischen Spanien und Frankreich folgend.

Der Pfad ist bis auf einige Schneefelder sehr einfach zu gehen, hier und da gehe ich Umwege um Schnee zu vermeiden und anderswo benutze ich die Steigeisen. Ein paar Eindrücke von der Landschaft









Hier ist der Pfad zu sehen, teils mit Schnee bedeckt. In der Mittagssonne wird der Schnee allerdings weich und lässt sich einfach passieren.


Nachbargipfel


Wieder mit erkennbarem Pfad

Auch hier oben ist wieder alles voller Grashüpfern. Teilweise Sonnen sich die richtig großen Exemplare auf den Felsen.


Krabbler

Dann kam einer der Höhepunkte des Tages. Ein Adler flog mir über den Weg, er segelte mir kurz vor dem Coll de No Creux über den Weg. Aus der ferne wirkte es wie eine "fliegende Tür", um die größe des Tieres zu beschreiben. Leider fehlte mir die Brennweite um den Vogel zu fotografieren und zusätzlich hatte ich immer noch die falsche Einstellung drin. Aber man tut was man kann:





Vergrößerter Ausschnitt aus einem anderen Bild

Kurze Zeit später erreichte ich das Coll de No Creux, es trägt den Namen weil sich dort neun stählerne Kreuze befinden, teilweise mit der Katalanischen Flagge verziert.


Coll de No Creux






Blick über Etang Bleu und Etang Noir


Mein Pfad

Auf der anderen Seite des Bergrückens lag noch sehr viel Schnee. Aufgrund der Schattenlage war dieser auch am frühen Nachmittag noch komplett vereist. Also wurde für den Abstieg noch einmal die Eisausrüstung benötigt.

Der Pfad führte nach dem Abstieg weiter ins Tal. An einem Wegweise, der wieder einmal durch Vandalismus beschädigt worden war, war noch ein Hinweis auf mein Tagesziel zu erkennen, dem Refugi D'Ulldeter.



Das letzte Stück des Pfades führte durch ein Skigebiet, an dem das Refugi liegt. Gegen 16:00 Uhr hatte ich das Refugi erreicht. Ich hatte eigentlich erwartet dort in den Winterräumen zu schlafen, aber am Wochenende war das Refugi noch geöffnet.

Der Hüttenwird sprach etwas Englisch, also war die Verständigung kein Problem, ich entschied mich für die "Halbpension" mit Abendessen und Frühstück für 38 €. Wollte mal testen wie das Essen hier oben ist. Erstmal bestellte ich mir aber eine Cola und einen Tee und entspannt mich etwas auf der Hütte. Ich war alleine in einem 6-Bett Zimmer und hatte genug Platz. Die warme Dusche (2€)  war super :).

Zum Abendessen gab es als Vorspeise Suppe mit Brot, einen Salat und als Hauptgericht dann eine komische Spanische Wurst mit dicken Bohnen und Sauce. Die Wurst war etwas seltsam und hatte teilweise harte Stücke, das war nicht so meines, der Rest war sehr gut.

Abends kamen noch zwei weitere Spanier, die ihr Wochenende hier verbringen wollten. Die beiden wollten Downhill-Mountainbike fahren. Auch cool!

Den restlichen Abend nutzte ich dafür etwas zu lesen und mich zu erholen. Das Buch war dann auch ausgelesen und ich ließ es im Refugi zurück, der Hüttenwirt stellte es zu den anderen Büchern.

Wenn also jemand im Refugi D'Ulldeter das Buch "Tom Clancy - Clear and Present Danger" sieht - das habe ich dort zurückgelassen :-)

DSLR-Kamera und Trekking Teil II - Praktische Erfahrungen

Nachdem die Tour vorbei ist einige Gedanken zur praktischen Erfahrung mit einer "großen" DSLR-Kamera in den Bergen.

Mit von der Partie war folgende Ausrüstung:


  • Canon EOS 50D - 730g
  • Obektiv Canon 35mm 2.0 mit UV-Schutzfilter zum Schutz der Frontlinse und GeLi - ~230g
  • Drei Akkus - 3x82g = 246g (ein Original, zwei NoName-Akkus)
  • GESAMT - 1206g



Canon EOS 50D mit Canon 35mm f/2 Objektiv


Auf eine Kameratasche habe ich dabei verzichtet, da ich keine preiswerte gefunden habe die mir dafür gefallen hat. Also habe ich improvisiert. Im Normalfall hing die Kamera einfach am normalen Gurt um den Hals und ggf. noch um die Schulter um baumeln und schwingen zu minimieren.

Bei Regen verschwand die Kamera unter der Jacke oder in einem Wasserdichten Exped Dry-Fold Bag. Unter der Jacke ist es natürlich ein Risiko bei Stürzen.

Mit dem Dry-Fold-Bag ließ es sich so einrichten das der Gurt der Kamera noch herausführte und sich so die Kamera noch gut Tragen ließ.

Aufgrund der relativ Kompakten Maße der 50D mit dem 35mm Objektiv (ich bin sonst die Kombination 50D + Canon EF 24-70mm f2.8 L gewöhnt) ließ sich die Kamera gut um den Hals tragen. Da das Wetter auch perfekt mitspielte war Feuchtigkeit auch kein Thema.

Erfahrungen und Probleme
  1. Das größte Problem waren die Akkus. Der Originalakku, den ich zuerst in der Kamera hatte, leistete hervorragenden Dienst und nach gut 900 Bildern wechselte ich den Akku zu einem "China-Akku" von Ebay für 5 €. Dieser hatte früher auch immer guten Dienst geleistet und auch ähnlich viele Bilder wie der Original Canon Akku vertragen, aber dieses mal war mit dem ersten China-Akku bereits nach gut 75 Bildern Schluss. Der Zweite China-Akku leistete noch weniger und es war bereits nach 25 Bildern Schluss.
    Meine Vermutung ist, das die nächtliche Kälte die Akkus teilweise Entladen haben. Also werde ich nächstes mal die Akkus mit in den Schlafsack nehmen.
  2. Zweites Problem war die Gegenlichtblende des Canon 35mm f2. Die sprang gern mal vom Objektiv, wenn man mit dem Körper daran gestoßen ist. Gerade am Hang war das dann nervig, meistens rollte des gute Stück ein kurzes Stück den Hang hinunter aber konnte zum Glück nie entwischen. Oft erwischte ich sie auch mit beherztem Stochern mit den Stöcken.
  3. Drittes Problem war der fehlende Kontrast bei schwierigen Lichtsituationen, wie Gegenlicht, dadurch sind mir ein paar Bilder entgangen. Ich frage mich ob ein Objektiv mit teuer vergüteten Linsen besser abgeschnitten hätte, da die Lichtverhältnisse extrem waren.
  4. Fehlende Flexibilität durch eine Festbrennweite. Vielleicht wäre ein Superzoom doch passender gewesen, aber den Minimalismus des Festen Blickwinkels habe ich bewusst in kauf genommen. Gerade als mir der Adler über den Weg lief, äh, flog, wäre mehr Brennweite toll gewesen. Oder zweite Situation, Ultraweitwinkel in den Tälern oder direkt am Berg, wäre bestimmt eine tolle Bildwirkung gewesen.
  5. Gewicht. 1,2kg bleiben 1,2kg

Abschließend kann ich sagen: Ich würde die DSLR wieder mitnehmen aber mit anderem Objektiv. Ich war mit der Kombination 50D+35mm/2.0 insgesamt sehr zufrieden, letzendlich wäre mir mehr flexibilität doch lieber gewesen, daher trenne ich mich auch wieder von dem Objektiv. Aber welches nehm ich in Zukunft mit? Keine Ahnung! Vorschläge?

Samstag, 21. November 2009

DSLR-Spiegelreflexkamera beim Trekking: "I love it RAW"

Nach der Tour ist mir beim durchsehen der Bilder aufgefallen das ich an einem der schönsten Tage großen Mist gebaut habe. Bei einer etwas schwierigen Lichtsituation habe ich auf die Kamera im manuellen Modus eingestellt und mein Bild gemacht (Pfotenabdruck im Schnee). Meistens habe ich die Blendenautomatik benutzt und je nach Situation manchmal Zeitautomatik oder den Manuellen Modus.

Dann vergaß ich den Modus wieder umzuschalten. Leider bemerkte ich das erst am Col de Nou Creus, das gesamte Stück über die Bergrücken vom Col de Eyne bis hierher wurde dann in 40 massiv überbelichteten Bildern festgehalten:


Original Out-of-Cam


Da ich eigentlich fast nur im RAW-Modus fotografiere, war noch genug Information in den Kanälen um noch mit wenig Aufwand recht viel aus dem Bild herauszuholen:


Nach 3 Minuten Nachbearbeitung


Bei JPEG wären solche Ergebnisse nicht so ohne weiteres möglich gewesen.

Was habe ich am Bild gedreht? (Adobe Lightroom 2.5)
* Wiederherstellung auf 100
* Helligkeit runter auf -65
* Bereiche für Himmel/weit entfernte Bergkette und die Berge vor mir festgelegt
* Bereich "Himmel" nachkorrigiert (Belichtung, Helligkeit und Kontrast wieder etwas hoch)
* Bereich "Erde" nachkorrigiert (Belichtung und Helligkeit nur wenig hoch)

Ich denke lieber so ein Ergebnis als gar kein Ergebnis. Daher sag ich nur: Wenns geht und man die Zeit zum nachbearbeiten hat: Immer den RAW-Modus verwenden.

Sonntag, 15. November 2009

29.10.2009, HRP - Barrage des Bouillouses bis Berge hinter Eyne

Kurzabriss:

Von Barrage des Bouillouses durch die Skigebiete und Wälder im Tal, durch den kleinen Ort Bolquere in dem ich einkaufen will bis Eyne und dann hinauf in die Berge um in der Nähe von dem kleinen Verschlag "Orri de Baix" zu Übernachten.


Morgens um 07:30 startete der neue Tag. Also relativ spät, aber die Tagesetappe heute sollte kurz werden und es gibt auch keine großen Höhenmeter zu überwinden. Also noch genug Zeit für ein Frühstück.

In der Gite d'Etape gibt es für 4,50 € ein einfaches Frühstücksbuffet. Allerdings ist der Kaffee ausgezeichnet! Aber irgendwie fehlt jemand zum Kaffeetrinken ;-). Ansonsten gibts Toast, eine Müsli, Saft, Milch und das war es eigentlich. Also eher minimalistisch, aber gibt alles ganz gut Energie für den morgen.

Sachen gepackt und los. Im Ort stehen morgens überall Pferde herum und fressen... Müll und gucken einen dabei komisch an.


Der Ferd der hat fier Beiner...


Die erste halbe Stunde des Tages ist ganz interessant, der Pfad führt durch Wälder und über Wiesen und ist - verglichen zu den Vortagen - ein wunderbarer Spaziergang auf sanftem, recht ebenen Untergrund.


Pfad mit gelben Wegmarken


Etwas später trifft der Pfad (derzeit bewege ich mich auf dem GR10) auf den See "Estany de la Pradella". Ein schöner See, aber ab hier ist der Pfad nichtmehr so interessant, es ist jetzt mehr eine Schotterstraße.


Estany de la Pradella


Interessanterweise fliegt öfters ein Hubschrauber über mich Hinweg. Ich habe jetzt noch nicht nach dem Typ geschaut, aber sieht nach Militär aus? Hat jemand eine Idee?


Um was für ein Typ handelt es sich? Wer weiß es?


Mein Pfad ist gleichzeitig eine Mountainbikestrecke. Allerdings mit Gemeinheiten. An einer Stelle ist ein Weidezaun über den Pfad gespannt, Warnschilder sind anscheinend dem Vandalismus zum Opfer gefallen, also eine echt gefährliche Stelle für jemanden der den Berg hinunterkommt und bei ungünstigen Lichtverhältnissen die Drähte des Zaunes nicht sieht.

Wie erwähnt gibt es hier reichlich Skipisten und Skigebiete. Allerdings tragen diese nicht gerade zur Verschönerung der Landschaft bei.


Skipiste


Gerade alles was noch zur Skipiste dazugehört, Zufahrten für "Pflege", Entwässerung, Kabel und Rohre für Schneekanonen sorgt für eine Landschaftsverschandelung. Und auf einem Knöcheltief verschlammten Weg läuft es sich auch schlecht.


Der Schlammweg


Das Stück war dann aber auch bald geschafft und langsam ging es in besiedeltes Gebiet: Bolquere. Mitten im Ort befindet sich ein kleiner, aber sehr netter Laden. Vorräte aufgefrischt, frisches Obst zum sofortigen Verzehr, neue Batterien für das Garmin GPS gekauft. Leider habe ich keine Kerzen gefunden, das wäre für Hütten abends praktisch gewesen. In Schottland hatte ich immer welche dabei, daran habe ich dieses mal nicht gedacht.


Der Pfad nach Eyne, 15 Minuten vor dem Ort


Am frühen Nachmittag gegen 13:00 Uhr erreiche ich Eyne. Der alte Ortskern selbst ist sehr schön und besteht als sehr alten Gebäuden. Hier und da gibt es Brunnen mit Trinkwasser.


Eyne, kurz vorm Ortskern


Die Straße der ich folge ist gesäumt von Uralten Bäumen, vermutlich deutlich über 100 Jahre alt.


Uralte Bäume am Ortsausgang


Leider biege ich einen Weg zu früh ab und laufe 15 Minuten den falschen Weg hoch. Irgendwann ist der Weg einfach zuende und dann bemerke ich auch den Fehler. Also umgedreht, zurück und dann auch die Wegmarken wiedergefunden.

Der richtige Pfad führt leicht ansteigend durch das Tal "Vallée D'Eyne" und ist in sehr gutem Zustand und leicht zu gehen. Mir kommen relativ viele Menschen entgegen, unter anderem auch mehrere Jäger die mit Gewehr aus den Bergen kommen. Ein ältere, weißbärtiger Wanderer fragt mich etwas auf Französisch, ich verstehe nur "Pic du Nufonts". Er bemerkt das ich ihn nicht verstehe und fragt "Crampon"? Da verstehe ich was er meint, da das Wort im englischen Identisch ist, er wollte wissen ob ich Steigeisen dabei habe. Nach eifrigem genicke und beidseitigem "aah!" geht jeder seines Weges. Allerdings weiß ich jetzt was mich morgen erwartet. Eis.

Neben dem Weg fällt mir eine stählerne Rinne auf. Wasser fließt mit hoher Geschwindigkeit hindurch. Komisch, wozu? Frischwasserversorgung? Transport von irgendetwas mithilfe der Kraft des Wassers durch die glatte Rinne?


Fluß in Stahlrinne


Etwas weiter oben wird der Pfad etwas rauher. Aber immer noch gut zu laufen, mittlerweile bin ich wieder knapp über 2000m Höhe.



Schließlich öffnet sich das Tal etwas und links und rechts befindet sich kurzes grünes Gras. Am Orri de Baix, einer primitiven Schutzhütte finde ich einen guten Platz zum Zelten. Die Hütte selbst ist nicht so angenehm wie ein Zelt, innen ist viel Ratten/Mäusekot auf den Steinen und nachdem ich den dritten pelzigen Nager gesehen habe, bin ich schnell wieder raus und habe mein Zelt aufgebaut.

Ein früher Feierabend, aber ganz entspannt und erholsam. Das Wasser im Fluss unten macht nicht den besten Eindruck und ich nutze die Chlortabletten, besser als mir jetzt noch was einzufangen, da es doch recht viele "Spuren" von Rindern und Pferden gibt.

Ich lese noch lange beim verbleibenden Tageslicht und beobachte die Leute die von Oben aus dem Tal herunterkommen und ziehe mich im dunkeln ins Zelt zurück.

Samstag, 14. November 2009

28.10.2009, HRP - Col de Coume d'Agnel über Pic du Carlit bis Barrage des Bouillouses

Am Vorabend habe ich noch gehadert. Wie stelle ich die heutige Etappe an? Es gab für diesen Tag zwei Möglichkeiten: Plan A) Besteigung des Pic du Carlit, mit 2921m über n.N. der höchste Punkt meiner gesamten Tour. Oder Plan B) Umwandern des Pic du Carlit über das Portella de la Grava über den GR10.

Am Vorabend bin ich zu keiner Entscheidung gekommen und hatte beschlossen abzuwarten wie ich mich morgens fühle.

Und ich fühlte mich gut! Die Nacht war sehr kalt, im Schlafsack habe ich davon nicht viel mitbekommen aber das Eis auf dem kleinen See war Aussagekräftig genug.

Interessanterweise war der Wasserspiegel in dem kleinen See um gut 20-30cm gefallen. Vermutlich da in der Nacht kein Schmelzwasser mehr von den Bergen kam. Nach dem Frühstück ging es los über den nahgelegenen Pass "Col de Coume d'Agnel".


Blick vom Lager auf den Col de Coume d'Agnel


Der Aufstieg war kurz aber schön, da der weg wieder einmal zwischen großen Felsblöcken hindurchlief.


GR-Wegmarken beim Aufstieg


Nach ein paar Minuten war der Pass erreicht. Ein leichter Pfad führte hinab zum einem kleinen See "Estany de Lanoset". Von dort ging es direkt weiter hinab zum großen Stausee "Estany de Lanoux".

Estany de Lanoux


Noch einmal Estany de Lanoux


Hier war dann auch der Punkt der Entscheidung. Ein Pfad führte direkt Richtung Osten, hinauf zum Portella de la Grava und damit um das Carlit-Massiv herum. Der Pfad der direkt zum Aufstieg des Pic du Carlit führt zweigt hier direkt nach Süden ab.

Die Entscheidung war schnell und ohne Stop getroffen, ich ging nach Süden. Der Pfad läuft eine ganze Zeit am See entlang.


Etwas grün auf dem Weg zur Westseite des Pic du Carlit


Der Pfad steigt schließlich an und nähert sich dem Berg.


Blick zurück auf das Etang de Lanoux


Dabei steigt der Pfad bis auf ca 2450m bis zum kleinen See "Estany dels Forcats" an, direkt am Aufstieg. Hier habe ich uneingeschränkte Sicht auf den einschüchternen Aufstieg.


Aufstieg auf der Westseite des Pic du Carlit


Der Pfad führt direkt 500 Höhenmeter den Hang hinauf über Schutt und loses Geröll. Auf dem Bild oben erkennt man in der Bildmitte ein paar Pfad-Stücke am unteren Teil des Hanges. Nach einigen Höhenmetern muss man allerdings selbst einen Pfad suchen. Der Aufstieg folgt der Bergseite und knickt dann oben etwas nach rechts wo der Aufstieg dann leichter wird.


Der Blick hinauf - direkt am Hang.


Bei dem ganzen losen Geröll am steilen Hang wünscht man sich einen Helm. Zum Glück kam es aber zu keinerlei Felsschlag.

Im Anfangsbereich des Aufstieges ist das Geröll noch kein Problem, nichts rutscht, nichts bewegt sich, alles gut verkeilt und der Pfad ist auch noch nicht außergewöhnlich steil.


Der Blick hinab nach den ersten Minuten


Das nächste Stück wird sehr steil und der Hang ist voller recht feinem Geröll. Es geht zwar vorran, aber oft nach dem Prinzip "Two steps forward and one step back".

Mittlerweile bin ich auch nicht mehr alleine, von oben kommen mir zwei ältere Franzosen entgegen die Mühelos absteigen. Sie warnen mich vor dem Abstieg auf der anderen Seite, es soll viel Eis dort sein und noch deutlich steiler als hier.


Nach dem anfänglichen Stück wird es nochmals steiler


Von hinten kommt ein Britisches Pärchen ohne Rucksäcke, das ich vorher schonmal hinter mir bemerkt habe. Ich mache eine Pause und lasse mich überholen. Und nutze die gute Gelegenheit für den Blick über die Landschaft.


Blick über das Estany de Fourat und das Estany Lanoux


Und den Blick direkt hinab.


Der Blick hinab - dort bin ich hochgekommen.


Und dann waren die Briten auch an mir vorbei



Noch etwas Abstand gelassen, dann hinterher.



Der steilste Abschnitt ist damit geschafft, der Aufstieg flacht jetzt etwas ab und wird leichter. Nochmal der Blick zurück über die Landschaft - immerhin wird jeder Höhenmeter mit besserer Aussicht belohnt!


Nochmals der Blick zurück


Also auf zum finalen Stück des Aufstiegs!


Da rauf...


An dem Sattel angekommen, geht es dann rechts noch einmal 15m leicht hoch bis auf den Gipfel des Pic du Carlit. Von hier oben ist die Aussicht perfekt :-)


Blick die andere Seite des Sattels hinab


Am Sattel habe ich meinen Rucksack abgestellt und bin dann die letzten Höhenmeter zum Gipfelkreuz hinaufgekraxelt. Die beiden Briten machten gerade schon Pause. Wir gratulierten uns zu unserer Leistung ^^.


Das (demolierte) Gipfelkreuz mit der Katalanischen Flagge


Ein paar Eindrücke von Oben:


Blick über das Tal. Der Südspitze des großen Sees ist mein Tagesziel - Barrage des Bouillouses



Die Seite von der ich kam: Etang de Lanoux



Blick über das Ziel des morgigen Tags. Das nächste Gebirgsmassiv hinter Eyne



Nach einer erholsamen Pause beschließe ich mich an den Abstieg zu machen. Das erste Stück ist noch recht Einfach und führt über Geröll, ähnlich dem Aufstieg. Doch dann beginnen die Probleme: Steinhart vereister Schnee.

Die erste schwierige Stelle ist direkt hinter einer Kletterstelle, der Weg führt seitlich am Berg entlang und verliert dabei leicht an höhe. Dabei sing ca 20m Eis zu überwinden. Dummerweise muss ich erst meine Eisausrüstung bereit machen, das habe ich versäumt schon oben in Ruhe am Sattel zu machen.

Langsam und mit hoher Konzentration geht es dann über die bereits bestehenden Fußspuren im vereisten Schnee. Etwas mulmig ist mir schon, aber das Stück ist dann überwunden.

Es folgen noch drei weitere vereiste Stellen, sowie einzelne leichte Kletterstellen. Schließlich ist das schwere Stück aber überwunden und der Pfad wird deutlich leichter.


Der Blick auf der Pic du Carlit - von der Ostseite






Nochmal der Blick über die vielen kleinen Seen vor dem Lac des Bouillouses


Hier wird der Pfad deutlich einfacher. Es sind noch einige leichte Schneefelder da - gut zum üben mit der Eisausrüstung Pickel und Steigeisen.


Schnee :-)


Und eine gute Gegend für eine Pause :-)


Trekkingstöcke und Eispickel


Von nun an Folge ich nur noch gelben Wegmarkierungen über einen leichten Pfad. Entspannend nach dem spannenden Auf- und Abstieg. An einer letzten vereisten Stelle treffe ich auf ein Französisches Ehepaar das sich ohne Ausrüstung beim Überqueren versucht aber dann umdreht, schon schnell hatte ich die beiden eingeholt und sie sprachen fließend Englisch. Wir unterhalten uns eine halbe Stunde über die Umgebung, Gott und die Welt und dann mache ich mich wieder des Weges.

Die Vegetation wird wieder Grüner und man sieht mehr Menschen in der Gegend.


Der lange Weg zum Lac des Bouillouses


Gegen 16:30 erreiche ich schließlich den kleinen Ort auf der anderen Seite des Staudamms.


Barrage de Bouillouses


Es gibt eine Gite d'Etape, ein geschlossenes Refuge de Bouillouses und das war es eigentlich. Eigentlich wollte ich in der Gite übernachten, aber leider war diese Ausgebucht. Also beschränkte ich mich auf eine kalte Cola vor Ort.

Glücklicherweise verfügte auch dieses Refuge über Winterräume. Diese waren offen und sogar sehr komfortabel, es lagen Matrazen auf den Bettrosten, auf denen ich meinen Schlafsack ausbreiten konnte. Frisches Wasser konnte ich mir in der Gite holen und somit war der Tag gerettet. Noch kurz nach Frühstück erkundigt und habe dann mein Abendessen vorbereitet. Eine sehr erholsame Nacht :-).