Sonntag, 5. Juli 2009

Mistwetter II, Motivationslöcher und dann doch anders, Tag 3, 20.09.2008

Tag drei der Reise. Die Nacht war ruhig, aber nicht ausreichend erholsam, da der vorige Tag mit seinen 36km noch in den Knochen steckte. Dementsprechend war die Motivation früh morgens auch noch nicht so recht da. Allerdings hatte ich das Wasserproblem noch nicht gelöst und machte mich dann fix auf den Weg zur nächsten Wasserquelle.

Dabei habe ich auch wieder etwas gelernt. Im äußersten Norden der Highlands sieht die Landschaft schonwieder etwas anders aus und des gibt weniger klare kleine Gebirgsbäche als im Südlichen Teil. Dies hängt vermutlich mit den anderen Gesteinsarten hinter Kylesku zusammen. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch keinen Wasserfilter um mich z.B. aus den verschiedenen Lochs zu bedienen. Zwar hatte ich Chlortabletten, aber mein Gefühl Wasser ungefiltert aus einem Loch zu nehmen war nicht gut.

Meine Tagesroute führte mich über Duartmore Bridge, wo sich eine der vielen Fischzuchten befindet, quer über einen teils nichtmehr erkennbaren Weg zur Lochstack Lodge.


Mooriger Pfad



Von dort sollte es dann bis Rhiconich gehen, von wo ich dann per Anhalter nach Kinlochbervie fahren wollte. Mitten im nichts zwischen Duartmore Bridge und der Lochstack-Lodge befand sich ein Nagelneuer Wildzaun mit "Achtung Elektrostrom!"-Warnsymbolen. Ich folge also weiter daher wo ich den Weg vermutete und traf auch auf ein Gatter an dem ich durch den Zaun kam, ich stand nun am "Loch na Ath". Es gab zwar mal wieder keine Wege, aber ich musste zur anderen Seite - dort musste etwas sein, denn es war ein kleines Böötchen dort angebunden.

Loch na Ath, zwischen Duartmore Bridge und der Lochstack Lodge


Der Weg der auf der anderen Seite des Lochs weiterführte war schlammig, aber in gutem Zustand, es schien so als wäre das Baumaterial für den Zaun über diesen Weg transportiert. Das Wetter schlug allerdings um, dichte Wolken zogen heran und es fing an zu regnen und der Wind wurde stärker.

Auf der anderen Seite der Hügel gab es gut 400m Abstieg, welcher aber über einen Pfad einfach war. Inzwischen musste ich mich komplett einmummeln, Jacke, Nässeschutzhose, Kaputze tief ins Gesicht und Nässeschutz am Rucksack. Regen und dazu ein kalter starker Wind - zum Glück war unten am Fluss eine kleine Hütte die von Anglern genutzt wird und sonst wohl zur Lochstack Lodge gehört. Da ich heute noch keine längeren Pausen gemacht habe, nutze ich die Pause zum Mittagessen und entspannen.

Leider wurde der Regen nicht weniger und es wurde etwas frustrierend den Marsch fortzusetzen. Weiter ging es über "Landroverspuren" und querfeldein hoch bis Rhiconich, welches ich am späten Nachmittag erreichte.

Der Ort war nicht unbedingt schön und mein Ziel war schließlich Kinlochbervie - also Daumen raus und... tada! Nach eine halben Stunde hatte ich tatsächlich eine Mitfahrgelegenheit, die Websters, ein älteres Ehepaar das in Kinlochbervie die Sommer verbringt nahmen mich in ihrer alten Mercedes E-Klasse mit. Und das obwohl ich mit meinem "6-Tage Bart" und nassen Klamotten bestimmt gruselig ausgesehen hab.

Die beiden hatten ein Haus direkt am alten Hafenbecken und nachdem wir ins Gespräch gekommen waren, haben mir die beiden angeboten die Nacht im Gästezimmer zu verbringen. Das habe ich natürlich gern angenommen und ersteinmal ausgiebig geduscht und auf saubere Klamotten gewechselt.

Alter Hafen, Kinlochbervie


Abends noch gemeinsam zu Abend gegessen, Geschichten ausgetauscht und dann eine entspannte Nacht verbracht. In den USA würde man solche Leute wohl "Trail Angels" nennen, mir ist selten so eine wunderbare Gastfreundschaft zuteil geworden.

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