Samstag, 27. Juni 2009

Jäger, Kühe und schöne Lochs Tag 2, 19.09.2008

Morgens wurde ich von dem ab-und-zu vorbeifahrendem Pickup auf dem Schotterweg geweckt. Also erstmal Kaffee gekocht und Frühstück gegessen. Für heute ist die Etappe ähnlich lang wie gestern und führt den River Einig hinab bis zu Oykel Bridge und dann den River Oykel hinauf an Loch Ailsh vorbei in die Berge.

Also die schöne Bothy hinter mir gelassen und bei bedecktem Himmel ging es weiter den River Einig hinab. Es geht auf Schotterstraßen durch den Bergwald. Alles ist übersäht mit Pilzen - wenn man sich damit auskennt, kann man sich vermutlich schöne Zwischenmahlzeiten damit zubereiten. Da meine Pilzkunde sehr rudimentär ist, verzichte ich darauf ;).

Pilz (kein Krombacher)


Nach wenigen Kilometern kommt mir ein Landrover mit 4 Personen entgegen. Ich werde ermahnt das ich auf den Wegen bleiben soll, da gerade eine Jagd stattfindet und man drückt mir einen Zettel mit allen Kontaktdaten der Estate-Manager in der Umgebung in die Hand. Zettel zur Kenntnis genommen und weiter, hinab zum River Einig.

River Einig, kurz vor Oykel Bridge


Kurze Zeit später ist Oykel Bridge erreicht. Hier überquert die A837 den River Oykel. Eigentlich gibt es zwei Brücken, die alte und die neue. Die alte wird nichtmehr genutzt, sieht aber immer noch robust aus. Vielerorts in den Highlands sieht man neben den relativ neuen Straßen immer noch die überreste der alten Straßen, zerfallene Brücken, Teerstücke und ähnliches. Teilweise werden diese Stücke noch als Radwege genutzt.

Oykel Bridge - Neu
Oykel Bridge - Alt


Die einzige Telefonzelle des Ortes war natürlich wie erwartet defekt. Man konnte mich hören, aber ich die andere Seite nicht. Da es hier sogar Mobilfunkempfang gab, konnte ich telefonieren. Eine kurze Pause nach den ersten 6 km war auch nötig.

Tefonzelle in Oykel Bridge


Der Pfad führte vorerst direkt nah am Fluss entlang. So konnte ich einen wunderbaren Blick auf die Wasserfälle kurz hinter Oykel Bridge. Allerdings war erst ein Abstieg über glitschige Stufen zum Wasser notwendig. Der hohe Wasserstand machte die Wasserfälle noch beeindruckender und entschädigte für das gekraxel auf den feuchten Stufen.

Oykel Falls


Nach den Wasserfällen ging es quer über das Caplich Estate, eine Rinderzucht. Ein eher unangenehmer Streckenteil. Der Schotterweg war bedeckt mit den hinterlassenschaften von Kühen, die Landschaft stark zerwühlt von den Klauen der Tiere. Auf dem letzten Kilometer standen die Tiere auch mitten auf dem Weg. Also ganz nach aussen, direkt an den Zaun, so das mir eine Fluchtmöglichkeit bleibt und dann langsam an den Tieren vorbeigegangen. Zwar spürte ich dutzende Augenpaare der Bovidae auf mir. Die Bullen hatten Glücklicherweise alle Glocken, so merkte man gleich wenn sich bei den Tieren etwas tat. Die Tiere gingen mir aus dem Weg und ich konnte meinen Weg fortsetzen.

Blick über das Tal


Wieder direkt am Fluss traf ich auf mehrere Angler. Hatten aber bisher alle Pech gehabt und nichts gefangen. Der River Oykel ist für Angler sehr gut erschlossen, an den Ufern gibt es viele Schutzhütten, Bänke und ähnliche komfortable Dinge für die Anglergemeinde. Irgendwann war die Schotterstraße zuende und um meinen richtigen Pfad wieder zu erreichen war wieder einmal klassisches "Bushwacking" notwendig. Es ging durch Hüfthohe Gräser zwischen umgestürzten Bäumen durch eine Schneise im Wald bergauf. Es waren zwar nur 300 Höhenmeter aber diese waren sehr Aufgrund des Terrains sehr schwierig.

Bushwacking...


Etwas höher hatte ich meinen Weg wieder erreicht - das nächste Ziel war Loch Ailsh. Mittlerweile schien die Sonne und ich konnte im T-Shirt laufen.

Loch Ailsh


Über eine Teerstraße ging es ins Hinterland. Hier befindet sich noch eine Luxuriöse Lodge für Gäste mit entsprechendem finanziellen Hintergrund. Also habe ich das Stück schnell hinter mir gelassen und der Pfad wurde kleiner und die Gegend wieder schöner.

River Oykel hinter Loch Ailsh


Ab und zu mussten Zuflüsse überquert werden. Allerdings waren diese meist so schmal das lange Schritte, Sprünge oder gehen über Steine genügte.

Durchwaten? Springen? Tauchen?


Schließlich komme ich zu dem Punkt an dem sich der River Oykel mit einem anderen Fluss, dem Allt Sail An Ruathair, aus den Bergen vereinigt. An diesem Punkt wäre ein wunderschöner Lagerplatz gewesen, aber da es erst 15:00 Uhr war wollte ich mein Lager noch nicht aufbauen.

River Oykel meets Allt Sail An Ruathair


Gut eineinhalb Stunden später finde ich meinen Lagerplatz - auf einer Bank des River Oykel. Der Boden ist eben, das Gras trocken und weich. Das Problem einen Lagerplatz mit trockenem Untergrund zu finden ist weiterhin ein Problem in Schottland. Aber an den Flüssen meist Problemloser.

River Oykel, kurz vor Assynt


Zwar war es nicht gerade warm, aber trotzdem ließ ich mich zu einem kleinen Bad im eiskalten Wasser hinreissen. Und es war auch toll :)

Von River Oykel, kurz vor Assynt


Die Nacht war ruhig und es blieb trocken. Nachts hörte ich die Hirsche röhren und das Wild um mein Zelt schleichen. Die ungewohnten Geräusche waren interessant aber ich war zu müde um groß darauf zu achten.

Früh am nächsten morgen ging es raus aus den Federn. Gut erholt wurde ich von einem wunderschönen Sonnenaufgang begrüßt:

Sonnenaufgang in Assynt


Gefrühstückt, Kaffee genossen und Sachen gepackt. Weiter gings! Für heute war die Besteigung der Assynt Mountains geplant und würde sehr hart werden. Geplant war ein Aufstieg von Süden, über den Ben More Assynt und dann zum Cornival und wieder hinab in Richtung Inchnadamph. Also ging es ersteinmal hoch in die Berge.

Aufstieg in Assynt


Aufziehende Wolken kündigten schon den Wetterumschwung an, aber es wurde richtig miserabel. Dichte Wolken versperrten die Sicht, starker Regen und Winde setzten ein und die Sichtweite sank.

Schiedwedder in Assynt


Zur Not hatte ich eine Ausweichroute, welche die Berge umgeht. Diese Entscheidung musste dann am Loch an Dubh Mor gefällt werden. Dort angekommen sollte sich eigentlich der majestetische Blick auf eine über 500m hohe Felswand bieten. Alles was ich sah war eine niedrige Felswand und eine Massive Wolkendecke aus der es unnachgiebig regnete.

Dubh Loch Mor


Gut, diese Entscheidung war nicht schwierig. Anstatt nach Osten gehe ich nach Westen, durch einen Pass vorbei an den großen Bergen.



Über Wildpfade und schließlich Cross-Country inklusive Kletterpartien traf ich wieder auf den Pfad den ich sonst aus den Bergen genommen hätte. Nach zwei weiteren Stunden hatte ich Inchnadamph erreicht. Erstmal Mittagspause und von den Bergen erholen. Da ich durch das auslassen der Berge sehr früh war ging ich weiter zu Ardvreck Castle das ich sonst ausgelassen hätte.

Ardvreck Castle, Loch Assynt


Ardvreck Castle


Auch hier war noch nicht Schluss. Ich beschloss weiterzugehen. Ein Weg führte halb in die Berge und kam wieder runter, kurz bevor es nach Kylesku ging.

Blick auf die Verwerfungen im Gestein bei Kylesku


Von dort ging es noch über Kylesku Bridge. Mittlerweile war mir das Wasser ausgegangen und es gab auch keine brauchbaren Quellen. Am Ende des Tages hatte ich 36km zurückgelegt und auf einer Wiese am Meer gezeltet.

Blick zurück in Richtung Kylesku


Also schnell das Lager aufgebaut, noch die Karte konsultiert wo ich morgen Wasser bekommen könnte und rein in den Schlafsack. Ich schließ sofort ein und war am nächsten Tag auch etwas angeschlagen.

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