Donnerstag, 20. März 2008

So it begins, Tag 1, 10.03.08

Der erste Tag der Tour stand anfangs unter keinem guten Stern. Am Vorabend wurde in den Nachrichten ein schwerer Sturm für die kommende Woche angekündigt, mit "Gale Winds" für Schottland und noch wesentlich schlimmerem Wetter für die Südküste Englands und Wales. Der Sturm sollte die Westküste Schottlands am Nachmittag erreichen.
Mein Plan zu diesem Zeitpunkt war es, trotzdem loszuziehen.


06:30
Der Wecker klingelt, der Rucksack ist zu diesem Zeitpunkt bereits gepackt und fünfmal überprüft. Mit Nahrungsmitteln (Spaghetti, Reis, Saucen, Unmengen Müsliriegel, Instant-Kaffee, Schokolade) und Wasser kam der Rucksack auf gute 23kg, eine schon schwere Last. Zwar hatte ich mein Taschenmesser irgendwo verklüngelt, aber ich hatte mir eines von Christian geliehen. Schnell gewaschen, gefrühstückt und die Tour beginnt.

Kurz nach 7 Uhr bin ich unterwegs. Am Anfang geht es zu Fuß raus aus Strathpeffer in Richtung Süden an einer Landstraße entlang. Es ist etwas nervig zu laufen, aber der einzige gangbare Weg. Alles andere direkt drumherum sind Felder. Da der Weg zu meinem ersten Wegpunkt, der kleinen Ortschaft "Marybank" nicht weit ist, ist es auch nicht weiter schlimm. Der Verkehr ist nicht besonders schlimm, da die Straße recht schmal ist, muss ich bei entgegenkommenden Verkehr auf den Rasen oder in die Böschung ausweichen. Das wird aber jedesmal von den entgegenkommenden Autofahren mit einem Handgruß honoriert.


Von der Landstraße geht es durch eine Farm direkt weiter auf eine... Bundesstraße. Laut, viel Verkehr und man läuft hinter einer Leitplanke. Aber auch nur für 15 Minuten. Der Grund diese Route zu wählen, war der River Conon, welchen ich überqueren muss. Und die nächste Brücke liegt kurz vor Marybank.
Die Brücke ist einspurig und nur bis 7,5t freigegeben und macht einen nicht so vertrauenserweckenden Eindruck.
Glücklicherweise hatte ich morgens nicht viel gefrühstückt und so hat die Brücke trotz des schweren Rucksacks gehalten.
Der Fluss führte zur Zeit Hochwasser, wie man sieht stehen die Bäume am Ufer im Wasser. Auch die Wiesen neben dem Fluss waren alle noch mit riesigen Wasserfützen überdeckt. Hätte ich Pech gehabt, hätte ich den Fluss hier nicht queren können. Rechts sieht man noch wie dort zwei Flüße zusammenfließen, der River Conon und das Blackwater. Das Blackwater trägt den Namen, da das Wasser durch Ausspülungen aus dem Torf praktisch schwarz ist. Dies war mir später noch eine separate Tour wert.


Hinter Marybank führte mich der Weg dann weiter durch einen kleinen Wald hin zu der Wartungszufahrt für den Orrin-Stausee. Das betreten dieser Zufahrt war dann auch der letzte Zeitpunkt an dem ich einen Menschen gesehen habe, so gegen 08:15. Zeitgleich war auch der letzte Handy-Empfang während der Tour.
Der River Orrin ist ein nettes, kleines aber wildes Gewässer. Hier führte mich der Weg erst noch über eine Brücke, ein queren wäre sonst ohne Nasse Füße nicht möglich gewesen. Am Bild rechts sieht man auch sehr gut die Gesteinsstruktur in Schottland, überall steht das Gestein schräg nach oben und bildet solche Kanten. Gibt teilweise spektakuläre Wasserfälle und es sammelt sich auch immer viel Wasser hinter solchen Kanten.

Weiter ging es die Straße hinauf. Anfangs noch durch bewaldetes Gebiet, dann später die typische Highland-Landschaft. Viele Heidepflanzen, Moose und krüppelige kleine Büsche. Hier oben war der Windchill enorm. Die Hände froren Ruckzuck ein, wenn sie dem eiskalten Wind ausgesetzt waren. Das Terrain kühlt auch sehr stark aus, kleine Tümpel und Wasserpfützen waren teils noch mit Eis bedeckt. Hier waren die gute Winddichte Jacke und die Handschuhe und Wollmütze Gold wert.



Der Weg zum Orrin Reservoir hoch hat einige Zeit in Anspruch genommen. Kurz vor Mittag habe ich dann den Staudamm erreicht. Es war schon recht beeindruckend mitten im "Niemandsland" solch ein graues Monster aus Beton zu sehen. Gerade mit dem recht düsteren Himmel war es eine recht bedrückende Atmosphäre. Der Blick vom Staudamm über den Stausee und die offene Landschaft war der erste Augenblick an dem ich realisierte wie allein man hier oben ist.

Dies ist der Orrin Stausee (Orrin Reservoir). Eines der unzähligen Wasserkraftwerke in den Highlands. Wasserenergie wird in den Highlands in enormen Umfang gewonnen, dafür werde ich noch später einen separaten Eintrag verfassen. Ganz am Ende des Stausees liegt mein Tagesziel. Also ist die halbe Distanz des Tages schon geschafft. Der anstrengende Part, den ich unterschätzt habe, kommt allerdings erst noch.
Hinter dem Stausee führt ein Kiesweg hoch in die Berge, da ich auch erst etwas an höhe gewinnen möchte, um nicht direkt am steilen Ufer entlangkraxeln zu müssen, folge ich dem Weg in die Berge hinauf. Die Steigungen sind noch ok, der Weg ist zwar teilweise überflutet, mit Wasserflächen bedeckt oder einfach nur matschig aber es geht gut voran.
Die Straße führte schließlich immer höher bis in die Schneebedeckten Regionen. Da meine Überquerung der Berge erst für den zweiten Tag an anderer Stelle angesetzt ist, war dies man Punkt den Weg zu verlassen und ins Gelände zu gehen. Was macht man in so einer Situation? Man läuft auf etwas zu das interessant aussieht. In diesem Fall eine Mannshohe Rohrleitung, die man schon aus der Ferne am Hang entlangführen sah. Zuerst habe ich auf eine Gasleitung getippt. Als ich näher kam, wurde aber klar das es sich um einen umgeleiteten Fluss handelte, der durch die Rohrleitung ins Orrin Reservoir fliesst. Um zu der Rohrleitung hinzukommen muss ich durchs Gelände. Der erste direkte Kontakt mit dem weglosen Terrain.

Bei den ersten Schritten im Terrain hörte man gleich das charakteristische *squisch* *squisch* bei jedem Schritt. Der Boden ist mit einer dichten Pflanzenschicht bedeckt, größtenteils Moose und niedrige Gräser. Diese Pflanzenschicht ist Wasser komplett vollgesogen, praktisch wie ein Schwamm. Mit jedem Tritt spritzt das Wasser hoch, welches vorher unsichtbar unter der Pflanzendecke verborgen ist.


Hier mal ein Eindruck der Landschaft. Man bahnt sich relativ langsam seinen Weg durch das schwierige Terrain. Ständig muss man Moorflächen, Schlammlöchern und kleinen Bächen ausweichen und sich seinen Weg durch das Nasse, schlammige Terrain suchen. Überall lauert fieser schwarzer Schlamm, der einem die Stiefel ausziehen will.
Zwar bekommt man schnell ein Auge dafür, wo man hintreten kann und wo nicht, aber man sinkt anfangs oft bis zum Knöchel ein. Glücklichwerweise bekomme ich (noch) keine nassen Füße.
Im Bild links sieht man einen kleine Vertiefung und der Landschaft zwischen den Bergen, dort kommt ein Gebirgsbach hinunter.

Auch eines der vielen natürlichen Hindernisse. In diesem Fall nur ein kleiner, strömenden Bach. Wunderschön anzusehen in der tollen Landschaft (rechts). Hier reichte ein kleiner Sprung.



Da das Ufer sehr zerklüftet ist und durch das ständige hin-und-her die Strecke sich sehr in die Länge ziehen würde, beschloss ich höher zu steigen und dort das Terrain zu überwinden um dann am Ende des Lochs wieder hinabzusteigen. Oben gab es einen Wildpfad zwischen einer Steilwand und dem Hang zum See hinab, darüber kam ich gut voran. Hoffnungen, das die Landschaft dort oben weniger feucht ist, wurden enttäuscht. Prinzipiell ist fast alles in den Highlands nass.


Inzwischen kam ich dem Wasser wieder näher. Das Wetter entwickelte sich langsam in die Richtung, wie es der Wetterbericht vorhergesagt hatte - Sturm. Die Windböen wurden recht lebhaft und auf dem See bildeten sich erste Wellen und gischt-Fahnen. Es wurde auch durch die düsteren Wolken zunehmend dunkel. Bei der Aufnahme war es ca. 15:30 und ich war auf dem Weg zum ersten geplanten Lagerplatz am Ende des Orrin Reservoir, wo der River Orrin in den See fliesst.

Beim Weg hinunter zum See sah ich direkt in meiner Richtung Ruinen einer längst zerfallenen Struktur. Ich kann nicht sagen um was es sich handelt, die langen Steinhaufen deuten auf zerfallene Mauern hin. Eventuell handelt es sich um ein Gebäude aus längst vergangen Zeiten, halb im prall gefüllten Stausee verschwunden. Irgendwie ein bisschen gruselig. Im Hintergrund erkennt man schon das Ende des Sees - mein Ziel für den Tag. Zu dem Zeitpunkt macht mir das Gewicht des Rucksacks und das schwierige, ungewohnte Terrain bereits zu schaffen. Ich freute mich sehr bald mein Zelt aufbauen zu könnnen und mir etwas warmes zu essen zu machen. Etwas sorgen machte mir die schwierige Landschaft.
Also beschloss ich bis spätestens 17:00 zu laufen und dann den ersten Lagerplatz zu nehmen den ich finde. Die Sonnnenauf- und Untergangszeiten hatte ich mir vorher notiert und war für den ersten Tag für 18:30 angegeben. Also wollte ich auf jeden Fall vor Dunkelheit mein Lager vorbereitet haben. Die Sandbank kam schließlich immer näher und bald hatte ich sie erreicht. Gegen 17:30 stand dann auch mein Zelt auf der Sandbank.

Hier noch einmal die Sandbank aus der Nähe und ein Bild vom nächsten morgen mit dem Zelt auf der Sandbank.
Nachdem das Zelt aufgebaut war und alle Schnüre für das Abspannen des Bogens mit Heringen straff gespannt waren, setze ich mich ins Zelt, kochte mir noch einen Riesentopf Spaghetti und schrieb noch etwas fürs Reisetagebuch. Mittlerweile setze ein mittlerer Regen ein, der beständig aufs Zelt prasselte. Der Wind wehte recht böig, aber noch in absolut vertretbaren Rahmen für das Zelt, bei starken Böen wurde es zwar etwas niedergedrückt, aber alles im absolut grünen Bereich.

Zwar befinde ich mich gut 50cm über der Wasserlinie, aber etwas paranoia ist schon da, das das Zelt nachts wegschwimmt, mit mir darin.
Also hatte ich mir am Wasser drei Steinhaufen gebaut. Einen direkt an der Wasserlinie, und die anderen jeweils einen Meter weiter vom Wasser entfernt. Da ich fürs Kochen und Lager vorbereiten noch Zeit hatte, konnte ich den Wasserstand beochbachten. Er veränderte sich überhaupt nicht. Ich war gespannt wie es am nächsten morgen aussehen würde.

Nach der Mahlzeit schloss ich das Zelt, zog mich komplett in meinen Schlafsack zurück, so das nur noch die Nase herausguckte und war dann auch quasi "Instant-Weg". Eingeschlafen. Die Anstrengungen forderten ihren Tribut...

Das war Tag 1 - Fortsetzung mit Tag 2 folgt :-)

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