Samstag, 22. März 2008

One hell of a day, Tag 2, 11.03.08

Es hatte die Nacht hindurch immer mal wieder geregnet. Auch jetzt fiel Regen und der Wind peitschte die Tropfen laut gegen das Außenzelt. Allerdings hatte alles super gehalten und die Nacht war auch wirklich erholsam. Zwar bin ich ein paar mal durch die ungewohnten Geräusche geweckt worden, aber die Wachphasen waren nie von dauer. Gegen 07:00 beginnt der Tag, ich war zwar schon länger Wach, aber die wärme des Schlafsacks ist etwas, das man ungern verlässt.

Allerdings ist Kaffee immer ein guter Motivator und hilft für einen guten Start in den Tag - Lecker. Anfangs gab es Probleme mit dem Benzinkocher. Das Problem lag daran, das die Treibstoffflasche im Vorzelt lag und anscheinend dermaßen ausgekühlt ist, das das Benzin nicht mehr ganz sauber verbrannte. Also habe ich die Treibstoffflasche wieder verschlossen und erstmal in die Innentasche meiner Fleecejacke gesteckt und in der zwischenzeit angefangen meine Sachen zusammenzupacken. Der zweite Anlauf mit dem Kaffeekochen war erfolgreich.

Gegen 07:45 war dann alles zusammengepackt und der Marsch von Tag 2 konnte beginnen: Für heute ist die Überquerung des Gebirges an einem Pass und das erreichen eines Tals neben Loch Monar geplant. Der erste Witz des Tages erscheint innerhalb der ersten Stunde laufens: Eine Schutzhütte - "Bothy". Diese Hütten sind überall in den Highlands verstreut. Ein Punkt über den ich mich vorher hätte informieren sollen. Also, gelernt fürs nächste mal: Nicht nur auf einen Satz Karten verlassen - auf meinen Karten waren diese Hütten nicht eingezeichnet. Die Hütten sind eine nette Zuflucht in den Highlands. Es gibt meist einen Kamin und Feuerholz. Aber dazu später mehr.

Die Schutzhütte wäre zwar auf der "falschen" Seite des Orrin gewesen, aber eine behelfsmäßige Brücke ermöglichte wenige hundert Meter Stromaufwärts ein Queren des Orrin. Die Brücke sieht auf den ersten Blick zwar "wild" aus, ist aber absolut stabil. Sie besteht aus Stahlträgern, Stahlseilen und Stahlelementen. Selbst wenn die Planken verotten könnte man die Brücke immer noch sicher überqueren - praktisch.





Mein erster Wegpunkt, ein kleiner Gebirgsbach "Allt Coire Chairbe" der aus dem Pass hinabfließt, ist bereits in Sichtweite, noch gut 2 km Strecke. Allerdings stellt sich vorher noch ein weiteres Hindernis in den Weg - ein breiter Fluss der aus den Bergen kommt und in den Orrin fliesst. Da ich keine geeignete Stelle zum Überqueren finde, laufe ich Stromaufwärts um im Felsigen Terrain eine bessere Stelle zu finden. Und was finde ich da: Eine weitere Brücke. Super :-) - sichere Querung ohne Nasse Füße, das wurde Dankbar angenommen.

Hier sieht man nochmal eines der hinterhältigen Dinge in den Highlands: Oft verschwinden Bäche einfach in Felsspalten oder unter dichter Vegetation in solchen Löchern und tauchen irgendwo anders wieder auf. Daher sollte man sich immer auch auf sein Gehört verlassen, das leise Gurgeln von Bächen die in solchen Löchern verschwinden ist immer eine gute Frühwarnung vor potentiellen "Beinbrechern". Hier mache ich mir zum ersten mal Gedanken: Was ist wenn mir jetzt etwas passiert, ich z.B. mit einem Bein in so ein Loch rutsche und dann unglücklich umknicke und mir das Bein/Knie/Sonstwas breche. Zwar habe ich meine Reiseroute bei Christian gelassen, aber da es keinen Handyempfang gibt und er daher erst nach ein paar Tagen die Behörden informieren würde müsste ich so lange dort aushalten. Vorräte/Warmer Schlafsack und gutes Zelt sind zwar vorhanden, aber trotzdem eine gruselige Vorstellung.

Bis zum Einstieg sind es nun noch gut 2000m, ich halte mich hoch am Berg um nicht von unten wieder neu hochlaufen zu müssen.







Schließlich ist der Bach erreicht. Ein schöner, kleiner, eiskalter Fluss (Er trägt sogar einen Namen: "Allt Coire Na Sleaghaich" <- Wer den aussprechen kann, bekommt einen Keks) der von der Schneeschmelze in den Bergen gespeisst wird. Den netten Platz nutze ich für eine Pause, bevor es die über 500 Höhenmeter hinaufgeht. Der Aufstieg geht langsam von statten, der Rucksack wird immer schwerer. Solange man auf ebenem Grund läuft, trägt sich das Gewicht sehr gut. Hier steigt die Belastung unheimlich an. Der Boden ist oft weich und Matschig, man muss sich ständig Wege um die natürlichen Hindernisse, wie Torfausspülungen, große Pfützen, Felsen und den Fluss selbst suchen, all dies zieht den Aufstieg in die Länge. Schon nach den ersten hundert Höhenmetern sieht man zwischen den Heidegewächsen vereinzelt noch Schneereste.

Je Höher es geht, umso dichter wird die Schneedecke. Da das Tal unten sehr Schmal wird, muss ich die rechte Bergflanke hinaufsteigen, wo das Terrain etwas flacher ist und mehr (und weniger Nassen) Platz für mich bietet. Noch höher oben ist die Schneedecke fast dicht. Schneeverwehungen verdecken jede Vertiefung im Gelände.



Hier sieht man einen komplett zugewehten Gebirgsbach an der Flanke des anderen Berges. Da möchte man nicht einsinken. Auf meiner Seite sind auch viele zugewehte Vertiefungen und Flussläufe. Teilweise sinke ich knietief im Schnee ein. Der Aufstieg wird nochmal anstrengender, da der Schnee jeden Schritt hemmt. Zwar ist der Schnee auf der offenen Fläche oft so hart gefroren, das er mich + Rucksack trägt. Dort wo der Schnee aber nicht die möglichkeit hatte sich so zu verdichten, direkt im Windschatten einer Kante, sinke ich teilweise Hüfttief ein.

Endlich kommt der Pass selbst in Sicht. Ein Absolut beeindruckendes Bild, wie sich die Schneise zwischen den beiden Bergen hindurchzieht. Allein dieser Anblick hat die Anstrengungen des Aufstiegs schon wett gemacht. Nun hatte man endlich auch wieder ein Sichtbares Ziel auf das man zuhalten konnte, was die Selbstmotivation nocheinmal vereinfacht hat. Allerdings liegt der Schnee hier noch höher - aber es geht vorran.


Die letzte offene Fläche ist überquert, jetzt liegt nur noch ein großes Schneebrett zwischen mir und dem Pass. Ich überlege kurz ob ich das Schneebrett überqueren soll, oder ob ich hinuntersteigen soll und über den zugewehten Fluss steigen soll. Der Gedanke sich hier im eiskalten Wasser Nasse Füße zu holen, lässt mich schnell die erstere Wahl treffen. Das Schneebrett ist absolut hartgefroren. Der eisige Wind hat die Oberfläche in eine harte Eisschicht verwandelt. Wäre die Fläche nicht so glatt, könnte man Problemlos drauf stehen. Um die Strecke zu überwinden ohne auf meinem Hintern hinunterzurutschen muss ich bei jedem Schritt mit Kraft die Hacken ins Eis rammen um genügen halt zu bekommen. Bei jedem Schritt schlittert losgetretener Schnee lautlos einige Meter hinab ins zugewehte Flussbett. Schritt für Schritt, jeden Schritt prüfend, dauert das Überqueren des Schneebrettes zwar länger, aber verläuft sicher ohne Probleme.


Endlich oben am Pass angekommen. Ein kurzer Weg über eine Ebene Fläche und dann eröffnet sich der Blick ins nächste Tal. Geschafft - ein großartiges Gefühl. Ein Blick auf den GPS-Empfänger zeigt meine derzeitige Höhe: 784m - ein Beweisfoto ist notwendig *g*. Die darauffolgenden 15 Minuten Pause sind verdient. Ich leg mich erstmal lang in den Schnee und genieße 15 Minuten die Ruhe.


Ein Nachteil von langen Aufstiegen ist, das sie lange Abstiege nach sich ziehen. Bei jedem Schritt drückt einem das eigene Körpergewicht plus das Gewicht des Rucksacks vorwärts. Das Abbremsen geht mit der Zeit in die Schienbeine und Knie. Indem man immer kleine, bedachte Schritte macht minimiert man die Belastung der Gelenke und Muskeln zwar, aber es ist immer noch anstrengend. Hier wären Stöcke zum abstützen praktisch gewesen.


Wieder ist ein kleiner Gebirgsbach, ein willkommener "Landmark" dem man folgen kann. Die Bänke des Flusses sind sogar relativ eben und machen die ersten Meter des Abstiegs recht einfach.






Noch bin ich sehr hoch und kann das ganze Tal überblicken. Irgendwie sieht dieses Tal noch feuchter aus als das vorige. Was sich später auch bestätigen sollte. Man sieht rechts im Bild einen niedrigen Bergrücken, den ich noch überqueren muss.






Man sieht bereits den nächsten Pass, nicht ganz so hoch, aber wieder ein anstrengender Aufstieg von ungefähr 500m auf 680m. Die alternative ist es, dem Fluss bis ins Tal zu folgen. Der Fluss fließt letztendlich in den River Farrar, welcher ein Abfluss des Loch Monar Stausees ist. Der Weg den Flusslauf hinunter zum River Farrar würde einen Umweg von 5 km bedeuten. Daher quäle ich mich noch einmal die Steigung hinauf.


Der Abstieg hinter dem Pass gestaltet sich schwierig. Zwei Gebirgsbäche haben sich tief in die Landschaft gefressen, das Flussbett befindet sich in einer mehrere Meter tiefen Spalte. Beide Flüsse sind nicht besonders groß und lassen sich an geeigneter Stelle mit zwei beherzten Sätzen überwinden. Das jeweilige herein- und herausklettern aus dem Bachbett gestaltet sich weitaus schwieriger.


Weiter oben am Berg haben sich kleine Rinnsale die sonst nur das überschüssige Wasser aus Regen und Schneeschmelze abtransportieren massive Bodenerosion verursacht. Teilweise fressen sich die Flüsse ein bis zwei Meter tief in den schwarzen Torf, riesige "Torfinseln" stehen mit ihren schwarzen Wänden in der Landschaft.



In der Ferne kann man schon den Damm von Loch Monar sehen, die Zufahrtsstraße ist in der Ferne auch schon zu erkennen, wieder ein Ziel auf das man drauf zu halten kann. Der Damm ist zu diesem Zeitpunkt noch gute 6 km entfernt.





Nach einer weiteren Stunde abstieg ist die Straße am River Farrar endlich erreicht. Der Fluss führte zu dem Zeitpunkt umheimlich viel Wasser. Eine künstlich angelegte Furt war auf jeden Fall unpassierbar, jedes Fahrzeug das hier den Fluss durchquert wäre weggerissen worden (Wenn man von einem britischen Mastiff Truck mal absieht) Anscheinend wurde am Stausee Wasser abgelassen, eventuell ein Interessantes Schauspiel, die Neugier steigt.


Am Staudamm sah das ganze dann so aus:
Enorm Laut, riesengroß und Nass. Aus einer Öffnung schießt Wasser hervor und fächert sich dann auf eine Fontäne von 10m Durchmesser auf.

Weiter ging es über eine Straße die zu einem weiteren Wasserkraftwerk führt, hinter dem ich dann meine zweite Nacht in einem geschützten Tal verbringen wollte.

Über Mannshohe Rohrleitungen werden mehrere Flüsse umgeleitet, die dann dieses Wasserkraftwerk speisen. Hier ist diesmal kein Staudamm zu sehen. Ich bin dem Weg hinter dem Kraftwerk weiter gefolgt.

Hier verschwanden zwei Gebirgsbäche die in diesem Tal zusammenflossen komplett in einem Gitter. Diese Flüsse speisen dann unter anderem das Wasserkraftwerk welches auf dem vorigen Bild zu sehen ist. In der Nähe des Damms gibt es eine relativ festgefahrene Fläche, die mit Gras bedeckt ist. Auch ein guter Platz um das Zelt aufzubauen. Frisches Wasser gab es direkt in den Bergbächen, also ein sehr guter Lagerplatz für die Nacht.

Da es auch schon 17:30 war, habe ich dort direkt das Zelt aufgebaut und komplett abgespannt, da der Wind langsam auffrischte. Während ich mir mein Abendessen kochte, frischte der Wind dann weiter auf und ein starker Regen setzte ein - also Glück gehabt das das Zelt schon stand.


Während der Nacht wurde der Wind zum Sturm und ich bekam langsam sorgen ob das Zelt das alles mitmachen würde. Der Bogen bog sich unter der Last des Windes stark durch und die Aussenhaut des Zeltes wurde von den starken Böen durchgeschüttelt. Für den Fall, dass ein Hering herausreist, lege ich mir einen Ersatzhering und die Stirnlampe bereit...

Innen war es trocken und im Schlafsack schön warm. Es ist zwar durch den Sturm Recht laut, bin dann aber doch bald eingeschlafen...

Kommentare:

reeny hat gesagt…

Meine Güte! Das wurde wohl doch anstrengender, als ich gedacht hatte.

Ich hatte mir eine etwas "anstrengendere Wanderung" vorgestellt.

Aber die Ausblicke und "Sehenswürdigkeiten", die du davor bekommen hast, lassen mich vor Neid erblassen!

Sind übrigens gute Bilder geworden. Bringen die Atmosphäre gut rüber.

Und nun Tag 3!!! *g*

-= reeny =-

Dee hat gesagt…

Genau, mach hinne Mike. Möchte mehr lesen :-)

Mike hat gesagt…

Ich arbeite schon dran, hatte die letzten Tage viel um die Ohren :-)

Check back soon for an update ^^