Donnerstag, 27. März 2008

"Highland Rednecks", Tag 3, 12.03.08

Der Abend endete mit viel Wind, Regen, Graupel, Hagel und ähnlichen Unannehmlichkeiten. Aber als ich in den Frühen morgenstunden zwischen 03:00 und 04:00 aufgewacht bin hatte sich die Situation schon geändert. Der Wind wurde durch mehr Wind ersetzt und ein beständiges Hämmern von Hagelkörnen auf das Zelt ließ rund ums Zelt einen kleines Eiswällchen entstehen. Bin dann nochmal eingeschlafen, aber irgendwann gegen halb 6 hatte der Sturm seinen Höhepunkt erreicht und man lag wach und hoffte das das Zelt der Belastung standhielt. Der Wind hatte auch mehrfach gedreht und griff jetzt die andere Seite des Zeltes an.

Man sitzt also da und wartet was passiert, l
egt schonmal alles zusammen und packt alles in die entsprechenden Packsäcke zurück. Kurz nach 06:00 passierte es dann auch, mit einem beherzten *pling* ist der Hering aus dem Boden gerissen und die eine Seite des Aussenzeltes flatterte Wild im Wind. Also schnell raus aus dem Zelt, nur in Shorts und T-Shirt und den vorher bereitgelegten Hering in den Boden gerammt und damit das Zelt wieder gesichert.

Nach dem Adrenalinschub war die Nacht auch endgültig vorbei. Im Zelt dann schnell abgetrocknet, angezogen und den Rucksack gepackt. Der Wind war zwar enorm stark, aber mit Fleecejacke und darüber noch die Bergans RV Jacke und unten rum die Nässeschutzhose ließ es sich gut aushalten. In Ruhe und mit bedacht hab ich dann in einer etwas Regenarmeren Minute das Zelt zusammengepackt und habe mich dann wieder auf den Weg gemacht.

Die Route für diesen Tag führte mich um einen Berg über einen Hügel ans Ufer von Loch Monar und von dort über einen Abfluss von Loch Monar in Richtung Südwesten zum River Ling.
Da zwei Gebirgsbäche aus den Bergen kamen mussten diese erstmal überquert werden. Am Abend zuvor hatte ich bei einer kleinen Erkundung im Nahbereich aber schon zwei Brücken gefunden, die direkt an dem Wehr waren.

Nur die Brücken waren in ein erbärmlichen Zustand. Beide Brücken, gefertigt aus starken Holzbalken, waren aus ihren Verankerungen gerissen und hingen recht schief über den beiden Bächen. Ich tippe mal darauf das ein unvorsichtig gefahrenes Fahrzeug dies verursacht hat. Ein vorsichtiges Austesten der Brücken ohne Rucksack stellte heraus das man die Brücken noch sicher überqueren konnte.

Da die Kamera wegen leerer Batterien streikte, konnte ich davon leider keine Bilder machen. Neue Batterien wurden nach der ersten Gelegenheit eingelegt, machten aber Probleme. Daher sind nicht so viele Bilder am Tag 3 entstanden.

Etwas weiter den Hang hoch sah man, wie die Unmengen an Regenwasser durch die Rinnsale abflossen. Unter anderem hatten sich auch auf den beiden Reifenspuren die irgendein Fahrzeug vor einiger Zeit hinterlassen hatte, kleine Bächlein gebildet. Hier die andere Seite des Hügels, durchzogen von unzähligen kleinen Bächen.
Nur ein bis zwei Kilometer weiter war der Weg bereits fast komplett verschwunden. Hier eines der letzten Bilder, 500m weiter war von dem Weg nichts mehr auszumachen. Hier oben war der Wind auch noch enorm stark, es fiel mir schwer die Kamera ruhig zu halten, da der Wind einen ständig wegdrückte. Als noch Hagel zu dem Sturm hinzukam half nur noch das hochklappen des Kragens, tiefes runterziehen der Kapuze und das aufsetzen der Sonnenbrille. Die Hagelkörner hatten eine solche Wucht das ihr auftreffen auf ungeschützter Haut schmerzhaft war. Das klingt jetzt sehr dramatisch, aber war dank der Ausrüstung gut zu überstehen. Irgendwie war es schonwieder ziemlich cool sich gegen den Sturm zu stemmen und es hat auch Spaß gemacht.
Nachdem der Weg weg war ging es über einen Hügel. Auf dem "Gipfel" angekommen bot sich ein gewohnter Anblick. Wasser. Wasserflächen, Bäche, Rinnsale, Moorflächen, usw. Und natürlich immer wieder die obligatorischen Hagel und Regenschauer und starken Winde in der offenen Fläche.

Später traf ich auch mal an eine Stelle wo das Wasser nicht einfach irgendwo im Berg verschwand, sondern wo es sprudelnd aus dem Boden quillt. Eine Quelle mitten auf dem Hügel, und nicht unbedingt eine kleine Quelle, aus dem Loch strömte eine ganze Menge Wasser hervor







Über die Hugelkuppe gekommen, sah ich auch schon das Loch Monar. Das Loch ist sehr groß, es ist immer noch der gleiche Stausee mit dem Staudamm aus dem das Wasser abgelassen wurde, nur eine andere Seite des verwinkelten Stausees.
Die Sonne kam dann auch noch raus - ui, ein Regenbogen :-) Etwas weiter den Hang hinab sah ich auf einmal Bäume in der Ferne. Seltsam, ein Strich Bäume und sonst alles kahl. Da halte ich mal weiter drauf zu.
Es sollte sich dann rausstellen das es sich um den Wohnort von "Highland Rednecks" handelt. Irgendwann tauchten die ersten Spuren von Zivilisation auf: Müll. Dosen, Verpackungen und jede Menge dunkelbraune Tonscherben. Seltsam. Waren wohl Tontauben. Dann kam ich näher, ich sah ein Umzäuntes Gelände, daher also der Wald - geschützt vor Wildverbiss. Vor der Umzäunung stand ein völlig verrosteter alter Landrover (einer aus den 80ern, bei denen der Kühlergrill noch ein ganzes Stück weiter hinten liegt und die Scheinwerfer so weit vor stehen). Im Umzäunten Bereich sah ich eine Scheune aus der man einen Generator rumpeln hören konnte. Also schaute ich mal ein Stück zum Ufer runter. Dort fand ich ein schickes Einfamilienhaus vor. Und viel Schlamm. Die Spinner hatten ihren alten Elektroschrott (DVD-Player, Tapedeck, undefiniertes Zeugs) einfach im Schlamm versenkt und hier und da guckte noch etwas hervor. Da auf dem Gelände auch Hunde waren und jetzt anfingen zu Bellen bin ich umgedreht und habe die Umzäunung dann im Süden umgangen. Auf dem Weg zu den "Highland Rednecks" musste ich aber noch einen Fluss überqueren. Breit, tief, strömend. Glücklicherweise fand ich eine Stromschnelle, bei der das Wasser durch eine relativ schmale Spalte musste. Dort konnte ich auf einen Felsen springen und von dort mit einem beherzten Sprung den reißenden Strom überqueren. (Mit klopfendem Herzen und nach dreimaligem Schlucken).















Hinter dem Redneck-Haus ging es über eine vermutete Versorgungsstraße den beiden kleinen Lochs an einem Fluss entlang. Der Weg war durch die Witterung aber für Fahrzeuge völlig unpassierbar und war teilweise auch durch die Wassermassen einfach weggerissen. Irgendwann verschwand der Weg auch komplett und war einfach nichtmehr da. Das Gelände wurde wieder etwas hügeliger und man hatte wieder einen schönen Überblick über das, war vor mir lag:

Nasse Landschaft und... ein breiter Fluss. Und von hier oben ist noch keine Brücke oder Übergang zu erkennen. Probleme kündigen sich an.

Schließlich hatte ich den Fluss erreicht. Und tatsächlich, kein Übergang. Ein kleiner Hügel direkt am Fluss verschafft überblick. Einen ernüchternden Überblick. Ich wandere für eine halbe Stunde Stromaufwärts, finde aber auch nichts.
Also treffe ich eine Entscheidung. Ich suche eine Flache, übersichtliche Stelle und durchwate den Fluss. Die war dann auch bald gefunden. Keine Stromschnellen, sicherer ein- und ausstieg, keine tiefen Stellen und der Grund ist überall gut zu erkennen. Also Stiefel aus, Socken aus, und Hose bis über die Knie hochgekrempelt.
Das Wasser war eiskalt und die Steine schlüpfrig. Wieder hätte ich mir Stöcke zum abstützen gewünscht. Mit kleinen, langsamen Schritten schaffe ich es aber den Fluss sicher zu durchqueren. Auf der anderen Seite setze ich mich erstmal hin und rubbel mit einem Handtuch wieder leben in die eiskalten Füße. Eine Wohltat wieder in die warmen Stiefel zu schlüpfen (auch wenn die hier schon durchgeweicht waren, sie waren immer noch wärmer als die Umgebung).
Den Fluss konnte ich dann weiter Stromabwärts folgen, bis er in einen breiten Strom fließt. Diesen bin ich einige Kilometer gefolgt, bis ich in der ferne etwas wunderbares sehe: Eine Schutzhütte! Durch den immer noch tobenden Sturm (inklusive der Regelmäßigen Hagelschauer) halte ich darauf zu und habe Sie dann auch bald erreicht.
Windgeschützt, einigermaßen Trocken - wenn auch klamm, auf jeden Fall besser als heute Nacht im Zelt zu schlafen. Es ist zwar erst 16:00, aber ich beschließe die Nacht hier zu verbringen.

Es gibt sogar einen Kamin und Feuerholz. Leider aber war das Holz zu feucht zum verbrennen und ich bekam auch nach mehrfachen Versuchen kein Feuer zum brennen.
Als nächstes kommt Tag 4. Zu den Schutzhütten "Bothys" schreibe ich seperat nochmal etwas :)

Nachtrag zu den "Highland-Rednecks"
:
Inzwischen habe ich nachgelesen, das es sich bei der Hütte um die "Pait Lodge" handelt. Ich glaube das Gebäude wird vermietet oder gehört jemanden. Den Umgang mit der Umwelt fand ich trotzdem nicht in Ordnung.

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