Donnerstag, 27. März 2008

"Highland Rednecks", Tag 3, 12.03.08

Der Abend endete mit viel Wind, Regen, Graupel, Hagel und ähnlichen Unannehmlichkeiten. Aber als ich in den Frühen morgenstunden zwischen 03:00 und 04:00 aufgewacht bin hatte sich die Situation schon geändert. Der Wind wurde durch mehr Wind ersetzt und ein beständiges Hämmern von Hagelkörnen auf das Zelt ließ rund ums Zelt einen kleines Eiswällchen entstehen. Bin dann nochmal eingeschlafen, aber irgendwann gegen halb 6 hatte der Sturm seinen Höhepunkt erreicht und man lag wach und hoffte das das Zelt der Belastung standhielt. Der Wind hatte auch mehrfach gedreht und griff jetzt die andere Seite des Zeltes an.

Man sitzt also da und wartet was passiert, l
egt schonmal alles zusammen und packt alles in die entsprechenden Packsäcke zurück. Kurz nach 06:00 passierte es dann auch, mit einem beherzten *pling* ist der Hering aus dem Boden gerissen und die eine Seite des Aussenzeltes flatterte Wild im Wind. Also schnell raus aus dem Zelt, nur in Shorts und T-Shirt und den vorher bereitgelegten Hering in den Boden gerammt und damit das Zelt wieder gesichert.

Nach dem Adrenalinschub war die Nacht auch endgültig vorbei. Im Zelt dann schnell abgetrocknet, angezogen und den Rucksack gepackt. Der Wind war zwar enorm stark, aber mit Fleecejacke und darüber noch die Bergans RV Jacke und unten rum die Nässeschutzhose ließ es sich gut aushalten. In Ruhe und mit bedacht hab ich dann in einer etwas Regenarmeren Minute das Zelt zusammengepackt und habe mich dann wieder auf den Weg gemacht.

Die Route für diesen Tag führte mich um einen Berg über einen Hügel ans Ufer von Loch Monar und von dort über einen Abfluss von Loch Monar in Richtung Südwesten zum River Ling.
Da zwei Gebirgsbäche aus den Bergen kamen mussten diese erstmal überquert werden. Am Abend zuvor hatte ich bei einer kleinen Erkundung im Nahbereich aber schon zwei Brücken gefunden, die direkt an dem Wehr waren.

Nur die Brücken waren in ein erbärmlichen Zustand. Beide Brücken, gefertigt aus starken Holzbalken, waren aus ihren Verankerungen gerissen und hingen recht schief über den beiden Bächen. Ich tippe mal darauf das ein unvorsichtig gefahrenes Fahrzeug dies verursacht hat. Ein vorsichtiges Austesten der Brücken ohne Rucksack stellte heraus das man die Brücken noch sicher überqueren konnte.

Da die Kamera wegen leerer Batterien streikte, konnte ich davon leider keine Bilder machen. Neue Batterien wurden nach der ersten Gelegenheit eingelegt, machten aber Probleme. Daher sind nicht so viele Bilder am Tag 3 entstanden.

Etwas weiter den Hang hoch sah man, wie die Unmengen an Regenwasser durch die Rinnsale abflossen. Unter anderem hatten sich auch auf den beiden Reifenspuren die irgendein Fahrzeug vor einiger Zeit hinterlassen hatte, kleine Bächlein gebildet. Hier die andere Seite des Hügels, durchzogen von unzähligen kleinen Bächen.
Nur ein bis zwei Kilometer weiter war der Weg bereits fast komplett verschwunden. Hier eines der letzten Bilder, 500m weiter war von dem Weg nichts mehr auszumachen. Hier oben war der Wind auch noch enorm stark, es fiel mir schwer die Kamera ruhig zu halten, da der Wind einen ständig wegdrückte. Als noch Hagel zu dem Sturm hinzukam half nur noch das hochklappen des Kragens, tiefes runterziehen der Kapuze und das aufsetzen der Sonnenbrille. Die Hagelkörner hatten eine solche Wucht das ihr auftreffen auf ungeschützter Haut schmerzhaft war. Das klingt jetzt sehr dramatisch, aber war dank der Ausrüstung gut zu überstehen. Irgendwie war es schonwieder ziemlich cool sich gegen den Sturm zu stemmen und es hat auch Spaß gemacht.
Nachdem der Weg weg war ging es über einen Hügel. Auf dem "Gipfel" angekommen bot sich ein gewohnter Anblick. Wasser. Wasserflächen, Bäche, Rinnsale, Moorflächen, usw. Und natürlich immer wieder die obligatorischen Hagel und Regenschauer und starken Winde in der offenen Fläche.

Später traf ich auch mal an eine Stelle wo das Wasser nicht einfach irgendwo im Berg verschwand, sondern wo es sprudelnd aus dem Boden quillt. Eine Quelle mitten auf dem Hügel, und nicht unbedingt eine kleine Quelle, aus dem Loch strömte eine ganze Menge Wasser hervor







Über die Hugelkuppe gekommen, sah ich auch schon das Loch Monar. Das Loch ist sehr groß, es ist immer noch der gleiche Stausee mit dem Staudamm aus dem das Wasser abgelassen wurde, nur eine andere Seite des verwinkelten Stausees.
Die Sonne kam dann auch noch raus - ui, ein Regenbogen :-) Etwas weiter den Hang hinab sah ich auf einmal Bäume in der Ferne. Seltsam, ein Strich Bäume und sonst alles kahl. Da halte ich mal weiter drauf zu.
Es sollte sich dann rausstellen das es sich um den Wohnort von "Highland Rednecks" handelt. Irgendwann tauchten die ersten Spuren von Zivilisation auf: Müll. Dosen, Verpackungen und jede Menge dunkelbraune Tonscherben. Seltsam. Waren wohl Tontauben. Dann kam ich näher, ich sah ein Umzäuntes Gelände, daher also der Wald - geschützt vor Wildverbiss. Vor der Umzäunung stand ein völlig verrosteter alter Landrover (einer aus den 80ern, bei denen der Kühlergrill noch ein ganzes Stück weiter hinten liegt und die Scheinwerfer so weit vor stehen). Im Umzäunten Bereich sah ich eine Scheune aus der man einen Generator rumpeln hören konnte. Also schaute ich mal ein Stück zum Ufer runter. Dort fand ich ein schickes Einfamilienhaus vor. Und viel Schlamm. Die Spinner hatten ihren alten Elektroschrott (DVD-Player, Tapedeck, undefiniertes Zeugs) einfach im Schlamm versenkt und hier und da guckte noch etwas hervor. Da auf dem Gelände auch Hunde waren und jetzt anfingen zu Bellen bin ich umgedreht und habe die Umzäunung dann im Süden umgangen. Auf dem Weg zu den "Highland Rednecks" musste ich aber noch einen Fluss überqueren. Breit, tief, strömend. Glücklicherweise fand ich eine Stromschnelle, bei der das Wasser durch eine relativ schmale Spalte musste. Dort konnte ich auf einen Felsen springen und von dort mit einem beherzten Sprung den reißenden Strom überqueren. (Mit klopfendem Herzen und nach dreimaligem Schlucken).















Hinter dem Redneck-Haus ging es über eine vermutete Versorgungsstraße den beiden kleinen Lochs an einem Fluss entlang. Der Weg war durch die Witterung aber für Fahrzeuge völlig unpassierbar und war teilweise auch durch die Wassermassen einfach weggerissen. Irgendwann verschwand der Weg auch komplett und war einfach nichtmehr da. Das Gelände wurde wieder etwas hügeliger und man hatte wieder einen schönen Überblick über das, war vor mir lag:

Nasse Landschaft und... ein breiter Fluss. Und von hier oben ist noch keine Brücke oder Übergang zu erkennen. Probleme kündigen sich an.

Schließlich hatte ich den Fluss erreicht. Und tatsächlich, kein Übergang. Ein kleiner Hügel direkt am Fluss verschafft überblick. Einen ernüchternden Überblick. Ich wandere für eine halbe Stunde Stromaufwärts, finde aber auch nichts.
Also treffe ich eine Entscheidung. Ich suche eine Flache, übersichtliche Stelle und durchwate den Fluss. Die war dann auch bald gefunden. Keine Stromschnellen, sicherer ein- und ausstieg, keine tiefen Stellen und der Grund ist überall gut zu erkennen. Also Stiefel aus, Socken aus, und Hose bis über die Knie hochgekrempelt.
Das Wasser war eiskalt und die Steine schlüpfrig. Wieder hätte ich mir Stöcke zum abstützen gewünscht. Mit kleinen, langsamen Schritten schaffe ich es aber den Fluss sicher zu durchqueren. Auf der anderen Seite setze ich mich erstmal hin und rubbel mit einem Handtuch wieder leben in die eiskalten Füße. Eine Wohltat wieder in die warmen Stiefel zu schlüpfen (auch wenn die hier schon durchgeweicht waren, sie waren immer noch wärmer als die Umgebung).
Den Fluss konnte ich dann weiter Stromabwärts folgen, bis er in einen breiten Strom fließt. Diesen bin ich einige Kilometer gefolgt, bis ich in der ferne etwas wunderbares sehe: Eine Schutzhütte! Durch den immer noch tobenden Sturm (inklusive der Regelmäßigen Hagelschauer) halte ich darauf zu und habe Sie dann auch bald erreicht.
Windgeschützt, einigermaßen Trocken - wenn auch klamm, auf jeden Fall besser als heute Nacht im Zelt zu schlafen. Es ist zwar erst 16:00, aber ich beschließe die Nacht hier zu verbringen.

Es gibt sogar einen Kamin und Feuerholz. Leider aber war das Holz zu feucht zum verbrennen und ich bekam auch nach mehrfachen Versuchen kein Feuer zum brennen.
Als nächstes kommt Tag 4. Zu den Schutzhütten "Bothys" schreibe ich seperat nochmal etwas :)

Nachtrag zu den "Highland-Rednecks"
:
Inzwischen habe ich nachgelesen, das es sich bei der Hütte um die "Pait Lodge" handelt. Ich glaube das Gebäude wird vermietet oder gehört jemanden. Den Umgang mit der Umwelt fand ich trotzdem nicht in Ordnung.

Samstag, 22. März 2008

One hell of a day, Tag 2, 11.03.08

Es hatte die Nacht hindurch immer mal wieder geregnet. Auch jetzt fiel Regen und der Wind peitschte die Tropfen laut gegen das Außenzelt. Allerdings hatte alles super gehalten und die Nacht war auch wirklich erholsam. Zwar bin ich ein paar mal durch die ungewohnten Geräusche geweckt worden, aber die Wachphasen waren nie von dauer. Gegen 07:00 beginnt der Tag, ich war zwar schon länger Wach, aber die wärme des Schlafsacks ist etwas, das man ungern verlässt.

Allerdings ist Kaffee immer ein guter Motivator und hilft für einen guten Start in den Tag - Lecker. Anfangs gab es Probleme mit dem Benzinkocher. Das Problem lag daran, das die Treibstoffflasche im Vorzelt lag und anscheinend dermaßen ausgekühlt ist, das das Benzin nicht mehr ganz sauber verbrannte. Also habe ich die Treibstoffflasche wieder verschlossen und erstmal in die Innentasche meiner Fleecejacke gesteckt und in der zwischenzeit angefangen meine Sachen zusammenzupacken. Der zweite Anlauf mit dem Kaffeekochen war erfolgreich.

Gegen 07:45 war dann alles zusammengepackt und der Marsch von Tag 2 konnte beginnen: Für heute ist die Überquerung des Gebirges an einem Pass und das erreichen eines Tals neben Loch Monar geplant. Der erste Witz des Tages erscheint innerhalb der ersten Stunde laufens: Eine Schutzhütte - "Bothy". Diese Hütten sind überall in den Highlands verstreut. Ein Punkt über den ich mich vorher hätte informieren sollen. Also, gelernt fürs nächste mal: Nicht nur auf einen Satz Karten verlassen - auf meinen Karten waren diese Hütten nicht eingezeichnet. Die Hütten sind eine nette Zuflucht in den Highlands. Es gibt meist einen Kamin und Feuerholz. Aber dazu später mehr.

Die Schutzhütte wäre zwar auf der "falschen" Seite des Orrin gewesen, aber eine behelfsmäßige Brücke ermöglichte wenige hundert Meter Stromaufwärts ein Queren des Orrin. Die Brücke sieht auf den ersten Blick zwar "wild" aus, ist aber absolut stabil. Sie besteht aus Stahlträgern, Stahlseilen und Stahlelementen. Selbst wenn die Planken verotten könnte man die Brücke immer noch sicher überqueren - praktisch.





Mein erster Wegpunkt, ein kleiner Gebirgsbach "Allt Coire Chairbe" der aus dem Pass hinabfließt, ist bereits in Sichtweite, noch gut 2 km Strecke. Allerdings stellt sich vorher noch ein weiteres Hindernis in den Weg - ein breiter Fluss der aus den Bergen kommt und in den Orrin fliesst. Da ich keine geeignete Stelle zum Überqueren finde, laufe ich Stromaufwärts um im Felsigen Terrain eine bessere Stelle zu finden. Und was finde ich da: Eine weitere Brücke. Super :-) - sichere Querung ohne Nasse Füße, das wurde Dankbar angenommen.

Hier sieht man nochmal eines der hinterhältigen Dinge in den Highlands: Oft verschwinden Bäche einfach in Felsspalten oder unter dichter Vegetation in solchen Löchern und tauchen irgendwo anders wieder auf. Daher sollte man sich immer auch auf sein Gehört verlassen, das leise Gurgeln von Bächen die in solchen Löchern verschwinden ist immer eine gute Frühwarnung vor potentiellen "Beinbrechern". Hier mache ich mir zum ersten mal Gedanken: Was ist wenn mir jetzt etwas passiert, ich z.B. mit einem Bein in so ein Loch rutsche und dann unglücklich umknicke und mir das Bein/Knie/Sonstwas breche. Zwar habe ich meine Reiseroute bei Christian gelassen, aber da es keinen Handyempfang gibt und er daher erst nach ein paar Tagen die Behörden informieren würde müsste ich so lange dort aushalten. Vorräte/Warmer Schlafsack und gutes Zelt sind zwar vorhanden, aber trotzdem eine gruselige Vorstellung.

Bis zum Einstieg sind es nun noch gut 2000m, ich halte mich hoch am Berg um nicht von unten wieder neu hochlaufen zu müssen.







Schließlich ist der Bach erreicht. Ein schöner, kleiner, eiskalter Fluss (Er trägt sogar einen Namen: "Allt Coire Na Sleaghaich" <- Wer den aussprechen kann, bekommt einen Keks) der von der Schneeschmelze in den Bergen gespeisst wird. Den netten Platz nutze ich für eine Pause, bevor es die über 500 Höhenmeter hinaufgeht. Der Aufstieg geht langsam von statten, der Rucksack wird immer schwerer. Solange man auf ebenem Grund läuft, trägt sich das Gewicht sehr gut. Hier steigt die Belastung unheimlich an. Der Boden ist oft weich und Matschig, man muss sich ständig Wege um die natürlichen Hindernisse, wie Torfausspülungen, große Pfützen, Felsen und den Fluss selbst suchen, all dies zieht den Aufstieg in die Länge. Schon nach den ersten hundert Höhenmetern sieht man zwischen den Heidegewächsen vereinzelt noch Schneereste.

Je Höher es geht, umso dichter wird die Schneedecke. Da das Tal unten sehr Schmal wird, muss ich die rechte Bergflanke hinaufsteigen, wo das Terrain etwas flacher ist und mehr (und weniger Nassen) Platz für mich bietet. Noch höher oben ist die Schneedecke fast dicht. Schneeverwehungen verdecken jede Vertiefung im Gelände.



Hier sieht man einen komplett zugewehten Gebirgsbach an der Flanke des anderen Berges. Da möchte man nicht einsinken. Auf meiner Seite sind auch viele zugewehte Vertiefungen und Flussläufe. Teilweise sinke ich knietief im Schnee ein. Der Aufstieg wird nochmal anstrengender, da der Schnee jeden Schritt hemmt. Zwar ist der Schnee auf der offenen Fläche oft so hart gefroren, das er mich + Rucksack trägt. Dort wo der Schnee aber nicht die möglichkeit hatte sich so zu verdichten, direkt im Windschatten einer Kante, sinke ich teilweise Hüfttief ein.

Endlich kommt der Pass selbst in Sicht. Ein Absolut beeindruckendes Bild, wie sich die Schneise zwischen den beiden Bergen hindurchzieht. Allein dieser Anblick hat die Anstrengungen des Aufstiegs schon wett gemacht. Nun hatte man endlich auch wieder ein Sichtbares Ziel auf das man zuhalten konnte, was die Selbstmotivation nocheinmal vereinfacht hat. Allerdings liegt der Schnee hier noch höher - aber es geht vorran.


Die letzte offene Fläche ist überquert, jetzt liegt nur noch ein großes Schneebrett zwischen mir und dem Pass. Ich überlege kurz ob ich das Schneebrett überqueren soll, oder ob ich hinuntersteigen soll und über den zugewehten Fluss steigen soll. Der Gedanke sich hier im eiskalten Wasser Nasse Füße zu holen, lässt mich schnell die erstere Wahl treffen. Das Schneebrett ist absolut hartgefroren. Der eisige Wind hat die Oberfläche in eine harte Eisschicht verwandelt. Wäre die Fläche nicht so glatt, könnte man Problemlos drauf stehen. Um die Strecke zu überwinden ohne auf meinem Hintern hinunterzurutschen muss ich bei jedem Schritt mit Kraft die Hacken ins Eis rammen um genügen halt zu bekommen. Bei jedem Schritt schlittert losgetretener Schnee lautlos einige Meter hinab ins zugewehte Flussbett. Schritt für Schritt, jeden Schritt prüfend, dauert das Überqueren des Schneebrettes zwar länger, aber verläuft sicher ohne Probleme.


Endlich oben am Pass angekommen. Ein kurzer Weg über eine Ebene Fläche und dann eröffnet sich der Blick ins nächste Tal. Geschafft - ein großartiges Gefühl. Ein Blick auf den GPS-Empfänger zeigt meine derzeitige Höhe: 784m - ein Beweisfoto ist notwendig *g*. Die darauffolgenden 15 Minuten Pause sind verdient. Ich leg mich erstmal lang in den Schnee und genieße 15 Minuten die Ruhe.


Ein Nachteil von langen Aufstiegen ist, das sie lange Abstiege nach sich ziehen. Bei jedem Schritt drückt einem das eigene Körpergewicht plus das Gewicht des Rucksacks vorwärts. Das Abbremsen geht mit der Zeit in die Schienbeine und Knie. Indem man immer kleine, bedachte Schritte macht minimiert man die Belastung der Gelenke und Muskeln zwar, aber es ist immer noch anstrengend. Hier wären Stöcke zum abstützen praktisch gewesen.


Wieder ist ein kleiner Gebirgsbach, ein willkommener "Landmark" dem man folgen kann. Die Bänke des Flusses sind sogar relativ eben und machen die ersten Meter des Abstiegs recht einfach.






Noch bin ich sehr hoch und kann das ganze Tal überblicken. Irgendwie sieht dieses Tal noch feuchter aus als das vorige. Was sich später auch bestätigen sollte. Man sieht rechts im Bild einen niedrigen Bergrücken, den ich noch überqueren muss.






Man sieht bereits den nächsten Pass, nicht ganz so hoch, aber wieder ein anstrengender Aufstieg von ungefähr 500m auf 680m. Die alternative ist es, dem Fluss bis ins Tal zu folgen. Der Fluss fließt letztendlich in den River Farrar, welcher ein Abfluss des Loch Monar Stausees ist. Der Weg den Flusslauf hinunter zum River Farrar würde einen Umweg von 5 km bedeuten. Daher quäle ich mich noch einmal die Steigung hinauf.


Der Abstieg hinter dem Pass gestaltet sich schwierig. Zwei Gebirgsbäche haben sich tief in die Landschaft gefressen, das Flussbett befindet sich in einer mehrere Meter tiefen Spalte. Beide Flüsse sind nicht besonders groß und lassen sich an geeigneter Stelle mit zwei beherzten Sätzen überwinden. Das jeweilige herein- und herausklettern aus dem Bachbett gestaltet sich weitaus schwieriger.


Weiter oben am Berg haben sich kleine Rinnsale die sonst nur das überschüssige Wasser aus Regen und Schneeschmelze abtransportieren massive Bodenerosion verursacht. Teilweise fressen sich die Flüsse ein bis zwei Meter tief in den schwarzen Torf, riesige "Torfinseln" stehen mit ihren schwarzen Wänden in der Landschaft.



In der Ferne kann man schon den Damm von Loch Monar sehen, die Zufahrtsstraße ist in der Ferne auch schon zu erkennen, wieder ein Ziel auf das man drauf zu halten kann. Der Damm ist zu diesem Zeitpunkt noch gute 6 km entfernt.





Nach einer weiteren Stunde abstieg ist die Straße am River Farrar endlich erreicht. Der Fluss führte zu dem Zeitpunkt umheimlich viel Wasser. Eine künstlich angelegte Furt war auf jeden Fall unpassierbar, jedes Fahrzeug das hier den Fluss durchquert wäre weggerissen worden (Wenn man von einem britischen Mastiff Truck mal absieht) Anscheinend wurde am Stausee Wasser abgelassen, eventuell ein Interessantes Schauspiel, die Neugier steigt.


Am Staudamm sah das ganze dann so aus:
Enorm Laut, riesengroß und Nass. Aus einer Öffnung schießt Wasser hervor und fächert sich dann auf eine Fontäne von 10m Durchmesser auf.

Weiter ging es über eine Straße die zu einem weiteren Wasserkraftwerk führt, hinter dem ich dann meine zweite Nacht in einem geschützten Tal verbringen wollte.

Über Mannshohe Rohrleitungen werden mehrere Flüsse umgeleitet, die dann dieses Wasserkraftwerk speisen. Hier ist diesmal kein Staudamm zu sehen. Ich bin dem Weg hinter dem Kraftwerk weiter gefolgt.

Hier verschwanden zwei Gebirgsbäche die in diesem Tal zusammenflossen komplett in einem Gitter. Diese Flüsse speisen dann unter anderem das Wasserkraftwerk welches auf dem vorigen Bild zu sehen ist. In der Nähe des Damms gibt es eine relativ festgefahrene Fläche, die mit Gras bedeckt ist. Auch ein guter Platz um das Zelt aufzubauen. Frisches Wasser gab es direkt in den Bergbächen, also ein sehr guter Lagerplatz für die Nacht.

Da es auch schon 17:30 war, habe ich dort direkt das Zelt aufgebaut und komplett abgespannt, da der Wind langsam auffrischte. Während ich mir mein Abendessen kochte, frischte der Wind dann weiter auf und ein starker Regen setzte ein - also Glück gehabt das das Zelt schon stand.


Während der Nacht wurde der Wind zum Sturm und ich bekam langsam sorgen ob das Zelt das alles mitmachen würde. Der Bogen bog sich unter der Last des Windes stark durch und die Aussenhaut des Zeltes wurde von den starken Böen durchgeschüttelt. Für den Fall, dass ein Hering herausreist, lege ich mir einen Ersatzhering und die Stirnlampe bereit...

Innen war es trocken und im Schlafsack schön warm. Es ist zwar durch den Sturm Recht laut, bin dann aber doch bald eingeschlafen...

Donnerstag, 20. März 2008

So it begins, Tag 1, 10.03.08

Der erste Tag der Tour stand anfangs unter keinem guten Stern. Am Vorabend wurde in den Nachrichten ein schwerer Sturm für die kommende Woche angekündigt, mit "Gale Winds" für Schottland und noch wesentlich schlimmerem Wetter für die Südküste Englands und Wales. Der Sturm sollte die Westküste Schottlands am Nachmittag erreichen.
Mein Plan zu diesem Zeitpunkt war es, trotzdem loszuziehen.


06:30
Der Wecker klingelt, der Rucksack ist zu diesem Zeitpunkt bereits gepackt und fünfmal überprüft. Mit Nahrungsmitteln (Spaghetti, Reis, Saucen, Unmengen Müsliriegel, Instant-Kaffee, Schokolade) und Wasser kam der Rucksack auf gute 23kg, eine schon schwere Last. Zwar hatte ich mein Taschenmesser irgendwo verklüngelt, aber ich hatte mir eines von Christian geliehen. Schnell gewaschen, gefrühstückt und die Tour beginnt.

Kurz nach 7 Uhr bin ich unterwegs. Am Anfang geht es zu Fuß raus aus Strathpeffer in Richtung Süden an einer Landstraße entlang. Es ist etwas nervig zu laufen, aber der einzige gangbare Weg. Alles andere direkt drumherum sind Felder. Da der Weg zu meinem ersten Wegpunkt, der kleinen Ortschaft "Marybank" nicht weit ist, ist es auch nicht weiter schlimm. Der Verkehr ist nicht besonders schlimm, da die Straße recht schmal ist, muss ich bei entgegenkommenden Verkehr auf den Rasen oder in die Böschung ausweichen. Das wird aber jedesmal von den entgegenkommenden Autofahren mit einem Handgruß honoriert.


Von der Landstraße geht es durch eine Farm direkt weiter auf eine... Bundesstraße. Laut, viel Verkehr und man läuft hinter einer Leitplanke. Aber auch nur für 15 Minuten. Der Grund diese Route zu wählen, war der River Conon, welchen ich überqueren muss. Und die nächste Brücke liegt kurz vor Marybank.
Die Brücke ist einspurig und nur bis 7,5t freigegeben und macht einen nicht so vertrauenserweckenden Eindruck.
Glücklicherweise hatte ich morgens nicht viel gefrühstückt und so hat die Brücke trotz des schweren Rucksacks gehalten.
Der Fluss führte zur Zeit Hochwasser, wie man sieht stehen die Bäume am Ufer im Wasser. Auch die Wiesen neben dem Fluss waren alle noch mit riesigen Wasserfützen überdeckt. Hätte ich Pech gehabt, hätte ich den Fluss hier nicht queren können. Rechts sieht man noch wie dort zwei Flüße zusammenfließen, der River Conon und das Blackwater. Das Blackwater trägt den Namen, da das Wasser durch Ausspülungen aus dem Torf praktisch schwarz ist. Dies war mir später noch eine separate Tour wert.


Hinter Marybank führte mich der Weg dann weiter durch einen kleinen Wald hin zu der Wartungszufahrt für den Orrin-Stausee. Das betreten dieser Zufahrt war dann auch der letzte Zeitpunkt an dem ich einen Menschen gesehen habe, so gegen 08:15. Zeitgleich war auch der letzte Handy-Empfang während der Tour.
Der River Orrin ist ein nettes, kleines aber wildes Gewässer. Hier führte mich der Weg erst noch über eine Brücke, ein queren wäre sonst ohne Nasse Füße nicht möglich gewesen. Am Bild rechts sieht man auch sehr gut die Gesteinsstruktur in Schottland, überall steht das Gestein schräg nach oben und bildet solche Kanten. Gibt teilweise spektakuläre Wasserfälle und es sammelt sich auch immer viel Wasser hinter solchen Kanten.

Weiter ging es die Straße hinauf. Anfangs noch durch bewaldetes Gebiet, dann später die typische Highland-Landschaft. Viele Heidepflanzen, Moose und krüppelige kleine Büsche. Hier oben war der Windchill enorm. Die Hände froren Ruckzuck ein, wenn sie dem eiskalten Wind ausgesetzt waren. Das Terrain kühlt auch sehr stark aus, kleine Tümpel und Wasserpfützen waren teils noch mit Eis bedeckt. Hier waren die gute Winddichte Jacke und die Handschuhe und Wollmütze Gold wert.



Der Weg zum Orrin Reservoir hoch hat einige Zeit in Anspruch genommen. Kurz vor Mittag habe ich dann den Staudamm erreicht. Es war schon recht beeindruckend mitten im "Niemandsland" solch ein graues Monster aus Beton zu sehen. Gerade mit dem recht düsteren Himmel war es eine recht bedrückende Atmosphäre. Der Blick vom Staudamm über den Stausee und die offene Landschaft war der erste Augenblick an dem ich realisierte wie allein man hier oben ist.

Dies ist der Orrin Stausee (Orrin Reservoir). Eines der unzähligen Wasserkraftwerke in den Highlands. Wasserenergie wird in den Highlands in enormen Umfang gewonnen, dafür werde ich noch später einen separaten Eintrag verfassen. Ganz am Ende des Stausees liegt mein Tagesziel. Also ist die halbe Distanz des Tages schon geschafft. Der anstrengende Part, den ich unterschätzt habe, kommt allerdings erst noch.
Hinter dem Stausee führt ein Kiesweg hoch in die Berge, da ich auch erst etwas an höhe gewinnen möchte, um nicht direkt am steilen Ufer entlangkraxeln zu müssen, folge ich dem Weg in die Berge hinauf. Die Steigungen sind noch ok, der Weg ist zwar teilweise überflutet, mit Wasserflächen bedeckt oder einfach nur matschig aber es geht gut voran.
Die Straße führte schließlich immer höher bis in die Schneebedeckten Regionen. Da meine Überquerung der Berge erst für den zweiten Tag an anderer Stelle angesetzt ist, war dies man Punkt den Weg zu verlassen und ins Gelände zu gehen. Was macht man in so einer Situation? Man läuft auf etwas zu das interessant aussieht. In diesem Fall eine Mannshohe Rohrleitung, die man schon aus der Ferne am Hang entlangführen sah. Zuerst habe ich auf eine Gasleitung getippt. Als ich näher kam, wurde aber klar das es sich um einen umgeleiteten Fluss handelte, der durch die Rohrleitung ins Orrin Reservoir fliesst. Um zu der Rohrleitung hinzukommen muss ich durchs Gelände. Der erste direkte Kontakt mit dem weglosen Terrain.

Bei den ersten Schritten im Terrain hörte man gleich das charakteristische *squisch* *squisch* bei jedem Schritt. Der Boden ist mit einer dichten Pflanzenschicht bedeckt, größtenteils Moose und niedrige Gräser. Diese Pflanzenschicht ist Wasser komplett vollgesogen, praktisch wie ein Schwamm. Mit jedem Tritt spritzt das Wasser hoch, welches vorher unsichtbar unter der Pflanzendecke verborgen ist.


Hier mal ein Eindruck der Landschaft. Man bahnt sich relativ langsam seinen Weg durch das schwierige Terrain. Ständig muss man Moorflächen, Schlammlöchern und kleinen Bächen ausweichen und sich seinen Weg durch das Nasse, schlammige Terrain suchen. Überall lauert fieser schwarzer Schlamm, der einem die Stiefel ausziehen will.
Zwar bekommt man schnell ein Auge dafür, wo man hintreten kann und wo nicht, aber man sinkt anfangs oft bis zum Knöchel ein. Glücklichwerweise bekomme ich (noch) keine nassen Füße.
Im Bild links sieht man einen kleine Vertiefung und der Landschaft zwischen den Bergen, dort kommt ein Gebirgsbach hinunter.

Auch eines der vielen natürlichen Hindernisse. In diesem Fall nur ein kleiner, strömenden Bach. Wunderschön anzusehen in der tollen Landschaft (rechts). Hier reichte ein kleiner Sprung.



Da das Ufer sehr zerklüftet ist und durch das ständige hin-und-her die Strecke sich sehr in die Länge ziehen würde, beschloss ich höher zu steigen und dort das Terrain zu überwinden um dann am Ende des Lochs wieder hinabzusteigen. Oben gab es einen Wildpfad zwischen einer Steilwand und dem Hang zum See hinab, darüber kam ich gut voran. Hoffnungen, das die Landschaft dort oben weniger feucht ist, wurden enttäuscht. Prinzipiell ist fast alles in den Highlands nass.


Inzwischen kam ich dem Wasser wieder näher. Das Wetter entwickelte sich langsam in die Richtung, wie es der Wetterbericht vorhergesagt hatte - Sturm. Die Windböen wurden recht lebhaft und auf dem See bildeten sich erste Wellen und gischt-Fahnen. Es wurde auch durch die düsteren Wolken zunehmend dunkel. Bei der Aufnahme war es ca. 15:30 und ich war auf dem Weg zum ersten geplanten Lagerplatz am Ende des Orrin Reservoir, wo der River Orrin in den See fliesst.

Beim Weg hinunter zum See sah ich direkt in meiner Richtung Ruinen einer längst zerfallenen Struktur. Ich kann nicht sagen um was es sich handelt, die langen Steinhaufen deuten auf zerfallene Mauern hin. Eventuell handelt es sich um ein Gebäude aus längst vergangen Zeiten, halb im prall gefüllten Stausee verschwunden. Irgendwie ein bisschen gruselig. Im Hintergrund erkennt man schon das Ende des Sees - mein Ziel für den Tag. Zu dem Zeitpunkt macht mir das Gewicht des Rucksacks und das schwierige, ungewohnte Terrain bereits zu schaffen. Ich freute mich sehr bald mein Zelt aufbauen zu könnnen und mir etwas warmes zu essen zu machen. Etwas sorgen machte mir die schwierige Landschaft.
Also beschloss ich bis spätestens 17:00 zu laufen und dann den ersten Lagerplatz zu nehmen den ich finde. Die Sonnnenauf- und Untergangszeiten hatte ich mir vorher notiert und war für den ersten Tag für 18:30 angegeben. Also wollte ich auf jeden Fall vor Dunkelheit mein Lager vorbereitet haben. Die Sandbank kam schließlich immer näher und bald hatte ich sie erreicht. Gegen 17:30 stand dann auch mein Zelt auf der Sandbank.

Hier noch einmal die Sandbank aus der Nähe und ein Bild vom nächsten morgen mit dem Zelt auf der Sandbank.
Nachdem das Zelt aufgebaut war und alle Schnüre für das Abspannen des Bogens mit Heringen straff gespannt waren, setze ich mich ins Zelt, kochte mir noch einen Riesentopf Spaghetti und schrieb noch etwas fürs Reisetagebuch. Mittlerweile setze ein mittlerer Regen ein, der beständig aufs Zelt prasselte. Der Wind wehte recht böig, aber noch in absolut vertretbaren Rahmen für das Zelt, bei starken Böen wurde es zwar etwas niedergedrückt, aber alles im absolut grünen Bereich.

Zwar befinde ich mich gut 50cm über der Wasserlinie, aber etwas paranoia ist schon da, das das Zelt nachts wegschwimmt, mit mir darin.
Also hatte ich mir am Wasser drei Steinhaufen gebaut. Einen direkt an der Wasserlinie, und die anderen jeweils einen Meter weiter vom Wasser entfernt. Da ich fürs Kochen und Lager vorbereiten noch Zeit hatte, konnte ich den Wasserstand beochbachten. Er veränderte sich überhaupt nicht. Ich war gespannt wie es am nächsten morgen aussehen würde.

Nach der Mahlzeit schloss ich das Zelt, zog mich komplett in meinen Schlafsack zurück, so das nur noch die Nase herausguckte und war dann auch quasi "Instant-Weg". Eingeschlafen. Die Anstrengungen forderten ihren Tribut...

Das war Tag 1 - Fortsetzung mit Tag 2 folgt :-)